Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Die drei reinen Grundsätze

Tu Gutes
Tu nichts Schlechtes
Halte Dein Herz/DeinenGeist rein.
 
Diese frühen Aufzeichnungen aus dem Dhammapada (Buddhavagga Sutra, Vers #183) werden als die „drei reinen Grundsätze“ bezeichnet.
Der letzte Satz wird im Laufe der Entwicklung des Mahayana auch häufig mit „Tu Gutes für andere“ übersetzt. In diesen Grundsätzen sind die zehn großen Grundsätze ebenso enthalten wie die Empfehlungen des Achtfachen Pfades.
 
Schlechtes tun, Schaden anrichten, das gilt anderen gegenüber, vor allem auch mir selbst gegenüber: Was schadet mir? Wie viel ist genug? Was tut mir nachhaltig gut? Was tue ich so gerne, dass ich eine tiefe Freude und ein Gefühl des andauernden Erfülltseins verspüre? Woher kenne ich den Unterschied? Gibt es zwischen der ersten und der zweiten Zeile für mich überhaupt einen Unterschied?

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Der letzte Satz ist mit unserem kulturellen Hintergrund, der die Worte rein/unrein vielleicht mit „sündhaft“ und „schuldvoll“ verbindet, nicht immer gleich zu erfahren. Er beschreibt den mittleren Weg als einen Pfad, dessen Posten nicht zu eng, aber auch nicht zu weit gesteckt sein sollten.
Die Brücke zwischen diesen alterwürdigen Sätzen lautet: Erfahrung, Praxis, Gewahrsein, wach werden.
 
Obgleich wir im Zazen weder ob „gut“ oder „schlecht“ grübeln müssen, obgleich wir erleben, dass dieses Konzepte sind, welche nur einen Teil unserer Wirklichkeit abbilden - wir müssen uns ihnen stellen.
Wir sind dazu aufgerufen, nach dem Zazen aufzustehen und etwas zu sagen. Etwas, das an sich bereits eine Unterscheidung darstellen wird. Weil wir uns auf diesem Kontinuum bewegen, weil uns diese Gabe der Selbstreflexion wie auch der Selbstdekonstruktion mitgegeben wurde. Weil wir Menschen sind.
 
Weil wir gar nicht anders können als „mit anderen, für andere“. Sie saßen mit Buddha unter dem Morgenstern, sie säumen unseren Weg ins Zendo, sie schauen uns beim Kochen zu. Sie lehren uns genauso. Es sind Dogens Gräser, Kiesel und Laternen. Es ist unsere Tasse, der Fußboden, das Abendbrot. Sie fragen uns ständig nach gut oder schlecht, rein oder unrein. Was tue ich?
Wenn wir sie und uns voneinander unterscheiden können. Wenn wir keinen Unterschied machen, gar keinen.

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Eines Tages fragt Dongshan seinen Koch Xuefeng:
„Siebst Du den Sand und entfernst den Reis oder siebst Du den Reis und entfernst den Sand?“
Xuefeng antwortet: „Sand und Reis werden gleichzeitig entfernt“.
Dongshan: „Was wird die große Gemeinde dann essen?“
Xuefeng stülpt die Schale kopfüber.
Dongshan sagt daraufhin: „Du wirst bald gehen und von jemand anderem gezwiebelt werden“.

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Gassho,
Juen


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Roseburg

Am vergangenen Wochenende fand in einem der ältesten buddhistischen Tagungshäuser Deutschlands, dem „Haus der Stille“ in Roseburg, ein Kurs statt, welcher Grundlagen aus der Hospizarbeit mit den Vorstellungen von Zen-Tradition sowie der tibetischen Lehre über die große Angelegenheit unseres Kommens und Gehens miteinander zu verbinden versuchte.
Es war, flankiert von den ersten wärmenden Strahlen des herannahenden Frühlings, ein reger Austausch zwischen den verschiedenen Übungswegen, hospizlichen Herangehensweisen, getragen von einem großen Fundus einer sehr erfahrenen Teilnehmerschar. 
Alles in allem: ein gelungener Start ins Frühling malen!
Gassho,
Juen


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Verzicht

Die kürzlich verstorbene US-amerikanische Zen-Lehrerin Zenkei Blanche Hartman Rossi beschrieb in einer ihrer Reden „Verzicht“ als eine Einstellung, die das Leben vollkommen willkommen heißt.
Das ist für gewöhnlich nicht unser Eindruck, wenn wir einen Meditationsraum betreten: karges Mobiliar, festgelegter Ablauf, tradierte Rituale, zahlreiche Formen, die vielen von uns zunächst widerstreben. Und darüberhinaus: ganz wenig Worte.
Und so wirkt es, als ob wir im Zen tatsächlich auf vieles, das unser Leben bereichert, verzichten müssten.

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Zenkei Hartman meinte jedoch die tiefer liegenden Ebenen: wenn wir die meisten unserer Vorlieben, Vorstellungen und Ideen,  Meinungen und Schemata hinter uns lassen und dem Leben „so begegnen, wie es ist“ - dann haben wir auf weitaus mehr verzichtet, als auf äußere Formen und bunte Kleidung.
Wir verzichten auf unsere Gewohnheit, auf unsere vermeintliche Sicherheit. Auf unsere Trägheit. Auf Ablenkungen, die uns unzufrieden und unerfüllt sehnsüchtig werden lassen. Wir verzichten auf unsere Sucht: stets unterscheiden und trennen zu wollen: die dort, wir hier. 

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Wir können schlichtweg nicht „unter uns“ bleiben. Wir waren es nie. Nur der variantenreiche, anpassungsfähige und geschmeidige Weg hat uns bis hierher geführt.
Wir sind mit allen oder  - wir sind gar nicht.
Jetzt, so wir nun einmal hier sind, lohnt es sich, etwas mehr zu testen als schwarz / weiß, denn unser Leben macht einfach mehr Freude in Farbe!

Gassho,
Juen

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