Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Die Drei Schätze

Ich bin entschlossen, die Drei Juwelen nicht zu missachten, sondern den Buddha zu achten, das Dharma zu entfalten und die Sangha zu nähren.

Dies ist der letzte der Grundsätze der Boddhisattva-Silas. Sie beginnen mit der Zufluchtnahme - den Drei Schätzen. Somit halten diese einen der zentralen Pfeiler unserer Übung.

Buddha: abgesehen von dem historischen Buddha als jemandem, der sozusagen „immer“ als Objekt der Hingabe, des Rates und der Orientierung dienen kann, könnte hiermit auch eines seiner Prinzipien exemplarisch veranschaulicht werden: Klarheit. Klarheit darüber, wer wir sind, was wir tun. 
Klarheit darüber, was mein Weg ist, wie seine Begrenzungen aussehen und wie es sich anfühlt, wenn ich davon abkomme. 
Klarheit darüber, was zum Erwachen führt und was davon hinweg deutet.

Dharma: die hinterlassenen Schriften, die so zahlreich sind, dass ein Leben nicht ausreicht, sie alle zu studieren. Womit wir bei einem wichtigen weiteren Prinzip wären: meiner Haltung, meinem ehrlichen Versuch. Hier: von den „10.000 Dingen“ zu lernen und mir nicht so oft diese eigene Realität schaffen, in der ich drinnen bin und alle anderen dort drüben, im Spektrum von „böse und gemein“ bis hin zu „nicht weiter beachtenswert“.

Sangha: abgesehen von der historischen Gemeinschaft der Übenden, kann uns unsere eigene Sangha viel lehren: über ein Miteinander von oftmals sehr verschiedenen Menschen. 
Über Harmonie als ein Lebensprinzip. 
Über den Versuch, mit möglichst wenig Unfrieden und Schaden mein Leben zu leben, was vor allem auch bedeutet: mein Leben mit anderen. 
Darüber, einen Beitrag zu leisten und Verantwortung übernehmen. Und sei es für den Ton der Glocke bei der heutigen Rezitation. Ihr Klang reicht weit hinaus über alle Bodhisattva-Berge zu Staubkörnern, Gräsern und Bäumen. 

Gassho,
Juen


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Wut

Ich bin entschlossen, nicht im Zorn zu bleiben, sondern Ausgeglichenheit zu kultivieren.

Der neunte der großen Bodhisattva-Grundsätze ist er einzige, welcher eine Emotion anspricht: Wut, Zorn, Verärgerung. Trauer, Angst. Verletzung, Ohnmacht, Verzweiflung.
Für den fleißigen Zen-Schüler mag dies irritierend wirken: Anfälle im Zendo? Wutausbrüche beim Oryoki? Das passt nicht in unser Bild der stoisch meditierenden Bodhisattvas.
Und doch haben wir allen Grund, der jahrtausendealten Empfehlung nachzugehen: dem Appell des Buddhas, unsere Emotionen genauso auf dem Weg des Erwachens mitzunehmen wie unsere geistigen Vorgänge, unsere körperlichen Beobachtungen. 
Der Vorgang des Erwachens erlaubt keine Abkürzung. Schon gar nicht über den Kopf. Auch wenn wir, insbesondere im Westen, dies gerne glauben möchten und mancherorts, nicht zuletzt auch durch gewisse Tertiärliteratur und manche charismatische Lehrer, dieser Eindruck häufig entstehen mag. 
Erwachen bedeutet vielmehr, sich der gesamten Landschaft in mir direkt zu stellen. Damit sind auch alle Emotionen gemeint und die oft mühsame Aufgabe, gerade meine starken Emotionen genauso zu durchleuchten wie meine hehre Suche nach Dingen wie: Einheit, meinem Ich und der großen Weite.

Wut ist eng gekoppelt an Trauer und diese wiederum zeigt auf etwas Verborgenes hin, das angesehen werden möchte. Sie kann bis in das kleinste Detail seziert werden:

Wer wird wütend?
Welche körperlichen Empfindungen verspüre ich?
Wie geschieht es, dass ich sie als „Wut“ deute?
Könnten sie auch anders gedeutet werden?
Welche Reaktionen triggern meine Wut?
Was geschieht davor?
Was geschieht danach: körperlich, emotional, geistig?
...

Gerade „Wut“ und insbesondere in Zen-Kreisen, aber längst nicht nur dort, ist eine unfeine Emotion. Natürlich gibt es sie dennoch und insbesondere Wut äußert sich oft versteckt. Wir erkennen dies an unserer Vorsichtshaltung gegenüber diesen Menschen. Erkennen wir dies auch in uns selbst?

Lange bevor Carl Gustav Jung im letzten Jahrhundert über unsere Schatten forschte, hat jener weise Medicus aus Nordindien uns dazu angehalten, eine Emotion zu betrachten, mit der Krieg beginnt. 
Es liegt an uns. Aber ist das nicht auch eine gute Nachricht?

Gassho,
Juen


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Jukai

Es war eine lange  vorbereitete Jukai-Zeremonie: etwa 18 Monate lang bereiteten sich vier Mitglieder unserer  Sangha auf diesen fernen Tag Anfang Mai vor: es wurde ausgemessen, anprobiert, abgeschätzt, kontrolliert, diskutiert und natürlich vor allem: Zazen geübt und ... genäht! Wobei letzteres im Winter 2015 begann als eine gemütliche Runde in Musanji, mit wärmendem Ofen im Rücken und Nanzans geduldiger Anleitung. Die Monate vergingen, mit dem Frühling kam die Ango-Zeit und das frühmorgendliche gemeinsame Zazen. Gleich nach der Sommerpause ging es weiter mit der Herbst-Ango, welche auch den Beginn der Jukai-Klasse markierte, die dieses Mal nicht elektronisch sondern als gemeinsame Diskussionsrunde im Teeraum ihren Ausdruck fand.
Und mit dem Ende der nächsten Frühjahres-Ango war es dann so weit: der Besuch von Alan Hozan Senauke, Vize-Abt des bald seit 50 Jahren bestehenden Berkeley Zen Centers, fand in der ersten Maiwoche statt. Die Woche lief sich warm mit abendlichen Treffen der Sangha in lockerer Reihenfolge und Zusammensetzung und bot uns allen die Gelegenheit zur Vertiefung unseres Austausches – untereinander und mit unserem amerikanischen Gast.
Der Reigen mündete in einem Sesshin am 6. Mai, während dem sogar der eisige Ostwind für einen Moment lang pausierte und eine kleine Muskelentspannung im Garten erlaubte. Und dann: war es endlich so weit! Parkeinweiser und Gästebegrüßer schwärmten aus, das Zendo wurde nach vorher abgesprochenem Plan umgebaut und füllte sich mit Sangha und Familie. Und so fand still und leise unter den alten Kastanien unseres kleinen Musanji die nunmehr bereits siebte Jukai-Zermonie unserer Sangha statt. Sie endete mit der nochmaligen Verwandlung des Zendos in einen Partyraum, was ihm auch ganz gut stand. Keine 12 Stunden und ein paar Putzeimer später wurde es wieder zu unserem Zendo. Nur die vielen Blumen und der Geruch der Räucherstäbchen erinnerten noch an die großen Ereignisse.
Wir begrüßen ganz herzlich Zenshin, Taika, Kodo und Mukan in unserer Gruppe und freuen uns auf die nächsten gemeinsamen Abenteuer!

Gassho,
Juen 

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