Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Jukai

Es war eine lange  vorbereitete Jukai-Zeremonie: etwa 18 Monate lang bereiteten sich vier Mitglieder unserer  Sangha auf diesen fernen Tag Anfang Mai vor: es wurde ausgemessen, anprobiert, abgeschätzt, kontrolliert, diskutiert und natürlich vor allem: Zazen geübt und ... genäht! Wobei letzteres im Winter 2015 begann als eine gemütliche Runde in Musanji, mit wärmendem Ofen im Rücken und Nanzans geduldiger Anleitung. Die Monate vergingen, mit dem Frühling kam die Ango-Zeit und das frühmorgendliche gemeinsame Zazen. Gleich nach der Sommerpause ging es weiter mit der Herbst-Ango, welche auch den Beginn der Jukai-Klasse markierte, die dieses Mal nicht elektronisch sondern als gemeinsame Diskussionsrunde im Teeraum ihren Ausdruck fand.
Und mit dem Ende der nächsten Frühjahres-Ango war es dann so weit: der Besuch von Alan Hozan Senauke, Vize-Abt des bald seit 50 Jahren bestehenden Berkeley Zen Centers, fand in der ersten Maiwoche statt. Die Woche lief sich warm mit abendlichen Treffen der Sangha in lockerer Reihenfolge und Zusammensetzung und bot uns allen die Gelegenheit zur Vertiefung unseres Austausches – untereinander und mit unserem amerikanischen Gast.
Der Reigen mündete in einem Sesshin am 6. Mai, während dem sogar der eisige Ostwind für einen Moment lang pausierte und eine kleine Muskelentspannung im Garten erlaubte. Und dann: war es endlich so weit! Parkeinweiser und Gästebegrüßer schwärmten aus, das Zendo wurde nach vorher abgesprochenem Plan umgebaut und füllte sich mit Sangha und Familie. Und so fand still und leise unter den alten Kastanien unseres kleinen Musanji die nunmehr bereits siebte Jukai-Zermonie unserer Sangha statt. Sie endete mit der nochmaligen Verwandlung des Zendos in einen Partyraum, was ihm auch ganz gut stand. Keine 12 Stunden und ein paar Putzeimer später wurde es wieder zu unserem Zendo. Nur die vielen Blumen und der Geruch der Räucherstäbchen erinnerten noch an die großen Ereignisse.
Wir begrüßen ganz herzlich Zenshin, Taika, Kodo und Mukan in unserer Gruppe und freuen uns auf die nächsten gemeinsamen Abenteuer!

Gassho,
Juen 

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Rechte Rede

Drei der zehn Grundsätze des klaren Bewusstseins aus den sechzehn Boddhisattva Grundsätzen handeln vom Gebrauch der Sprache:
 
Ich bin entschlossen, nicht zu lügen,
sondern die Wahrheit zu sagen.
 
Ich bin entschlossen, nicht schlecht über andere zu sprechen,
sondern Weisheit aus Unwissenheit hervorzubringen.
 
Ich bin entschlossen, mich nicht über andere zu heben,
sondern Bescheidenheit zu wahren und andere voran zu stellen.
 
Unsere allzu menschliche Neigung, die eigene Person herauszustellen, ist sehr alt. Zumindest hat sie damals schon die Gemeinschaft Buddhas bewegt. Diese Grundsätze wurden geformt, um ein harmonisches Miteinander in der ersten Sangha zu fördern.
Dieses gilt bis heute: wo wir „uns“ von „denen“ trennen, werden nicht nur jene leiden, sondern vor allem auch wir selbst.
Die Grundsätze können auf verschiedenen Ebenen betrachtet werden. Vom Absoluten aus gesehen, handeln sie allesamt davon, dass wir entspannt weniger tun könnten. Zum Beispiel zur Seite rücken und die Wahrheit scheinen lassen. Oder jeden, der mir begegnet, mit dergleichen respektvollen Freundlichkeit einzuladen, seine Agenda vorzubringen. Was nicht gleichbedeutend damit ist, dass wir keine Meinung äußern sollten oder diese manchmal auch klar und deutlich zum Ausdruck bringen müssen.
Hinter einer bestimmten Position jedoch verbirgt sich immer eine bestimmte Haltung. Auf diese kommt es an. Unsere Sprache wird ihr automatisch folgen.

Gassho,
Juen

 

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Die drei reinen Grundsätze

Tu Gutes
Tu nichts Schlechtes
Halte Dein Herz/DeinenGeist rein.
 
Diese frühen Aufzeichnungen aus dem Dhammapada (Buddhavagga Sutra, Vers #183) werden als die „drei reinen Grundsätze“ bezeichnet.
Der letzte Satz wird im Laufe der Entwicklung des Mahayana auch häufig mit „Tu Gutes für andere“ übersetzt. In diesen Grundsätzen sind die zehn großen Grundsätze ebenso enthalten wie die Empfehlungen des Achtfachen Pfades.
 
Schlechtes tun, Schaden anrichten, das gilt anderen gegenüber, vor allem auch mir selbst gegenüber: Was schadet mir? Wie viel ist genug? Was tut mir nachhaltig gut? Was tue ich so gerne, dass ich eine tiefe Freude und ein Gefühl des andauernden Erfülltseins verspüre? Woher kenne ich den Unterschied? Gibt es zwischen der ersten und der zweiten Zeile für mich überhaupt einen Unterschied?

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Der letzte Satz ist mit unserem kulturellen Hintergrund, der die Worte rein/unrein vielleicht mit „sündhaft“ und „schuldvoll“ verbindet, nicht immer gleich zu erfahren. Er beschreibt den mittleren Weg als einen Pfad, dessen Posten nicht zu eng, aber auch nicht zu weit gesteckt sein sollten.
Die Brücke zwischen diesen alterwürdigen Sätzen lautet: Erfahrung, Praxis, Gewahrsein, wach werden.
 
Obgleich wir im Zazen weder ob „gut“ oder „schlecht“ grübeln müssen, obgleich wir erleben, dass dieses Konzepte sind, welche nur einen Teil unserer Wirklichkeit abbilden - wir müssen uns ihnen stellen.
Wir sind dazu aufgerufen, nach dem Zazen aufzustehen und etwas zu sagen. Etwas, das an sich bereits eine Unterscheidung darstellen wird. Weil wir uns auf diesem Kontinuum bewegen, weil uns diese Gabe der Selbstreflexion wie auch der Selbstdekonstruktion mitgegeben wurde. Weil wir Menschen sind.
 
Weil wir gar nicht anders können als „mit anderen, für andere“. Sie saßen mit Buddha unter dem Morgenstern, sie säumen unseren Weg ins Zendo, sie schauen uns beim Kochen zu. Sie lehren uns genauso. Es sind Dogens Gräser, Kiesel und Laternen. Es ist unsere Tasse, der Fußboden, das Abendbrot. Sie fragen uns ständig nach gut oder schlecht, rein oder unrein. Was tue ich?
Wenn wir sie und uns voneinander unterscheiden können. Wenn wir keinen Unterschied machen, gar keinen.

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Eines Tages fragt Dongshan seinen Koch Xuefeng:
„Siebst Du den Sand und entfernst den Reis oder siebst Du den Reis und entfernst den Sand?“
Xuefeng antwortet: „Sand und Reis werden gleichzeitig entfernt“.
Dongshan: „Was wird die große Gemeinde dann essen?“
Xuefeng stülpt die Schale kopfüber.
Dongshan sagt daraufhin: „Du wirst bald gehen und von jemand anderem gezwiebelt werden“.

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Gassho,
Juen


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