Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Wut

Ich bin entschlossen, nicht im Zorn zu bleiben, sondern Ausgeglichenheit zu kultivieren.

Der neunte der großen Bodhisattva-Grundsätze ist er einzige, welcher eine Emotion anspricht: Wut, Zorn, Verärgerung. Trauer, Angst. Verletzung, Ohnmacht, Verzweiflung.
Für den fleißigen Zen-Schüler mag dies irritierend wirken: Anfälle im Zendo? Wutausbrüche beim Oryoki? Das passt nicht in unser Bild der stoisch meditierenden Bodhisattvas.
Und doch haben wir allen Grund, der jahrtausendealten Empfehlung nachzugehen: dem Appell des Buddhas, unsere Emotionen genauso auf dem Weg des Erwachens mitzunehmen wie unsere geistigen Vorgänge, unsere körperlichen Beobachtungen. 
Der Vorgang des Erwachens erlaubt keine Abkürzung. Schon gar nicht über den Kopf. Auch wenn wir, insbesondere im Westen, dies gerne glauben möchten und mancherorts, nicht zuletzt auch durch gewisse Tertiärliteratur und manche charismatische Lehrer, dieser Eindruck häufig entstehen mag. 
Erwachen bedeutet vielmehr, sich der gesamten Landschaft in mir direkt zu stellen. Damit sind auch alle Emotionen gemeint und die oft mühsame Aufgabe, gerade meine starken Emotionen genauso zu durchleuchten wie meine hehre Suche nach Dingen wie: Einheit, meinem Ich und der großen Weite.

Wut ist eng gekoppelt an Trauer und diese wiederum zeigt auf etwas Verborgenes hin, das angesehen werden möchte. Sie kann bis in das kleinste Detail seziert werden:

Wer wird wütend?
Welche körperlichen Empfindungen verspüre ich?
Wie geschieht es, dass ich sie als „Wut“ deute?
Könnten sie auch anders gedeutet werden?
Welche Reaktionen triggern meine Wut?
Was geschieht davor?
Was geschieht danach: körperlich, emotional, geistig?
...

Gerade „Wut“ und insbesondere in Zen-Kreisen, aber längst nicht nur dort, ist eine unfeine Emotion. Natürlich gibt es sie dennoch und insbesondere Wut äußert sich oft versteckt. Wir erkennen dies an unserer Vorsichtshaltung gegenüber diesen Menschen. Erkennen wir dies auch in uns selbst?

Lange bevor Carl Gustav Jung im letzten Jahrhundert über unsere Schatten forschte, hat jener weise Medicus aus Nordindien uns dazu angehalten, eine Emotion zu betrachten, mit der Krieg beginnt. 
Es liegt an uns. Aber ist das nicht auch eine gute Nachricht?

Gassho,
Juen


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