Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Apr 2011

Verbeugungen

Von allen Formen, die wir im Zen haben, und es sind einige, stellen die Verbeugungen oftmals das größte Hindernis dar.

Verbeugungen gibt es in allen buddhistischen Traditionen. Eine Verbeugung geht mit einem Gassho einher.
Wir kennen im wesentlichen zwei Verbeugungen:

1. die stehende Verbeugung, in welcher sich der Oberkörper um etwa 30 Grad verneigt. Wir verwenden sie beim Betreten des Zendos oder um einander zu begrüßen.

2. die „volle“ Verbeugung, wie sie zum Beispiel am Anfang und Ende der Rezitation üblich ist. Hierbei berühren zu einem bestimmten Moment Stirn, Hände, Ellenbeugen, Knie und unsere Füße den Boden, woraufhin die parallel zum Boden gehaltenen Handinnenflächen in Höhe der Ohren angehoben werden. Man sagt, wir tragen den „kleinen Buddha“ in uns - den Weg insgesamt - auf unseren Händen und heben ihn so über unsere selbstbezogenen Bestrebungen hinweg.

Es gibt viele Gründe, sich zu verbeugen:

Respekt
Vor jenen, die vor uns gegangen sind. Ob bekannt oder unbekannt: viele von ihnen hatten ungleich größere Schwierigkeiten zu überwinden als wir, um das Dharma kennenzulernen. Ihre Linien sind endlos. Wir haben allen Grund zur Annahme, dass unsere Übung auch ihnen nicht leicht fiel, oft mit Schmerzen verbunden war, mit Langeweile, Trauer, Einsamkeit, plötzlichen unliebsamen Veränderungen...
Durch all dies hindurch haben sie diese Übung an uns weitergegeben. Einfach so.
Grund genug zum Verbeugen.

Erkennen
Mit jeder Verbeugung werden wir eins mit dem Objekt unserer Verbeugung - ein Buddha und ein Buddha. Verwandt, doch verschieden zu Werke, ein jedes an seinem Ort.
Es ist keine Verehrung von etwas oder jemandem außerhalb unserer selbst, wovor wir uns verbeugen. Wir verbeugen uns vor unserer wahren Natur, symbolisiert durch diesen Stein, den wir als Buddha erkennen.
Wir bitten, sie vollkommen erfahren zu dürfen: jenes ich, das durch Zeit und Raum reicht, jene unermessliche Energie, deren Bestandteil ich bin.
Wir verbeugen uns in dem Erkennen, dass es nur die eigene Begrenztheit, die verhindert, dass wir diese Wirklichkeit vollkommen ausfüllen und leben - andauernd. Die große Verbeugung der erwachenden Natur in diesem beeindruckenden Frühling spüren.

Mitgefühl
Sei dankbar für jeden, der kommt ... in jedem Gegenüber einen Bodhisattva sehen...
alles kann uns helfen, uns verwandeln, uns lehren, uns weiser und mitfühlender werden lassen. Kann ich mich verbeugen vor dem ungehaltenen Kollegen, dem Auto, das mich schneidet, der fordernden Mutter, den zutiefst schmerzhaften Ereignissen in meinem Leben? Oft bieten gerade Situationen, welche uns gewaltig durcheinanderschütteln, Möglichkeiten zur dauerhaften Umwandlung.

Moment
Mich einfach verbeugen, biegsamer, geschmeidiger und widerstandsfähiger werden lassen mit jeder Bewegung. Mich verbeugen voller Vertrauen darauf, dass die Erde mich halten und mein Körper sich wieder aufrichten wird. Mich verbeugen, einfach so, alleine oder mit meinen Freundinnen und Freunden zusammen als Ausdruck unserer gemeinsamen Gegenwart. Mich verbeugen vor dem Leben, das mir diese einmalige Gelegenheit, das Dharma zusammen mit anderen erfahren zu dürfen, geschenkt hat.
Mich verbeugen vor einem lächelnden Buddha. Mich einfach verbeugen.

Gassho,
Juen

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Besuch von Doko Waskönig Roshi

In einer vom Rat der DBU formulierten Orientierungshilfe für spirituell Suchende wird unter anderem die Frage gestellt: gibt es Kontakt und Austausch mit anderen Gruppen oder Lehrenden?
Am vergangenen Wochenende konnten wir einmal wieder erfahren, warum dies so wichtig ist: um uns selbst von einem etwas anderen Blickwinkel betrachten zu können, um gesehen zu werden, um all dies gemeinsam zu betrachten, um etwas zu lernen.
Um die eigene Übung angesichts der für uns frischen Worte des Dharmas überprüfen zu können.
Wie könnte dies besser geschehen als durch den Besuch einer der bekanntesten Soto-Zen-Lehrerinnen Deutschlands?
So waren dies beste Voraussetzungen für einen zweiten Sangha-Tag in neuen Räumen, die schon etwas weniger ungewohnt erschienen, hervorgehoben durch strahlendes Nordlicht, einem aufkeimenden Frühling und unseren neuen Bodhi. Der Ablauf war, bis auf einige Klippen während des Oryoki in für uns neuer Form, sehr harmonisch. Er folgte einem immer entschiedenerem Fluss, wie er sich nur durch die kontinuierliche gemeinsame Übung von inzwischen neun Jahren ausbilden kann.
In Harmonie mit dem kristallklaren Tag wurden wir nicht nur mit der reinen Anwesenheit, die an sich bereits eine Form der Lehre darstellt, sondern auch mit einem sehr beeindruckenden Dharma-Vortrag belohnt, in der sich Doko Roshi den Grundlagen unserer Übung, ausgehend von jener berühmten Passage aus Meister Dogens Genjokoan, widmete:

Den Erleuchtungsweg zu studieren bedeutet, das Selbst zu studieren. Das Selbst zu studieren, bedeutet, das Selbst zu vergessen. Das Selbst zu vergessen, ist von zahllosen Dingen verwirklicht zu werden. Wenn durch zahllose Dinge verwirklicht, fällt Dein Körper und Geist und der Körper und Geist aller anderen ab. Keine Spur des Erwachens verbleibt, und dieses "Ohne-Spur" besteht für immer.

bdi blog


Gewahr werden.
Was ist? Was passiert jetzt gerade? Das kann mit so scheinbar einfachen Dingen wie meiner Körperhaltung beginnen.

Untersuche die Welt im Augenblick des Sitzens. Ist sie senkrecht oder waagrecht? Im Augenblick des Sitzens, was ist Sitzen? Ist es der grazile Salto eines Artisten oder das pfeilschnelle Sausen eines Fisches? Ist es Denken oder Nicht-Denken? Ist es Tun oder Nicht-Tun? Ist es Sitzen inmitten des Sitzens? Ist es Sitzen inmitten des Körper-Geistes? Ist es das Sitzen und das Loslassen des Sitzens inmitten des Sitzens oder ist es das Loslassen des Sitzens inmitten des Körper-Geistes? Untersuche dies auf alle nur erdenkliche Weisen. Sitze in der Körperhaltung der Meditation. Sitze in der Geisteshaltung der Meditation. Sitze in der Meditationshaltung des Loslassens von Körper und Geist.
Eihei Dogen: Zanmai o Zanmai

Entfalten.
Haben wir uns eingehend damit beschäftigt, eine Bestandsaufnahme aller Dinge unseres Hauses zu erheben, geht es ans „Putzen und Fegen“. Es ist möglich, Dinge wie Gier, Hass und Unwissenheit so lange zu entstauben, bis sie in Großzügigkeit, Güte und Weisheit übergehen. Nur wenn wir alle unsere Gäste einladen, können wir frei werden von Gastgeber, Gast und Haus, frei für das Kultivieren des leeren Feldes.

P1020493


Sich überlassen.
Immer wenn ich denke, es besser zu wissen, als das Leben, werde ich leiden. Immer wenn ich denke, etwas bleibendes Schaffen zu können, werden meine Spuren in Vergessenheit geraten. Wir alle wissen, wie es ist, wenn jemand unheilsames Karma hinterlässt. Wir sprechen oft davon, gutes Karma zu hinterlassen. Können wir auch so vollkommen in unserem Tun verschwinden, dass „keine Spur“ mehr zu sehen ist?
Dann sind unsererseits weder gute noch schlechte Töne zu hören: das gesamte Universum im Einklang.

Jedoch kann ein Vogel die Fährten von hunderten oder tausenden kleiner Vögel sehen, welche in Scharen vorbeigeströmt sind oder die Fährten von vielen großen Vogelzügen, die nach Norden oder nach Süden geflogen sind. Diese Spuren mögen sogar deutlicher sein als Wagenspuren auf einer Straße oder Hufabdrücke eines Pferdes im Gras. Auf diese Weise sieht ein Vogel eines Vogels Fährte.
Eihei Dogen: Yuibutsu Yobutsu

Gassho,
Juen

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