Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Apr 2012

Ankunft und Weiterreise

Wir, Juen und Nanzan, durften unsere Sangha bei der diesjährigen Mitgliederversammlung der DBU vertreten. Nach dreijähriger Zeit im Wartestatus freuen wir uns sehr über die hierbei erfolgte Aufnahme unserer Gemeinschaft als Vollmitglied der Deutschen Buddhistischen Union. Wir haben ab sofort eine Wahlstimme und sind bis auf Weiteres die „am höchsten“ plazierte Gemeinschaft - rein geografisch natürlich!
Wir sind glücklich, hiermit klar und deutlich unsere Zugehörigkeit zur Sangha Buddhas zu bezeugen.

Die Mitgliederversammlung fand im buddhistischen Zentrum Pauenhof am Niederrhein nahe der holländischen Grenze statt.
Wie auch in den Jahren zuvor, lag ein Hauptaugenmerk in der Diskussion um die innere Struktur und äußere Zielsetzung dieser Dachorganisation der buddhistischen Gemeinschaften Deutschlands. Wir fanden es sehr anregend und inspirierend, uns in einem hellen Raum unter dem großen Buddha an der Stirnseite mit Vertreterinnen und Vertretern der verschiedenen Traditionen und Übungsarten auszutauschen. Der Samstag dauerte, unterbrochen nur von kurzen Pausen, von morgens bis tief in die Nacht - Konsensfindung ist anstrengend!

Die DBU bietet auf vielfältige Weise Gelegenheit zur ehrenamtlichen Mitarbeit - ob im Rahmen diverser, themenzentrierter Arbeitsgruppen, redaktioneller Vorschläge für „Buddhismus aktuell“, konstruktiver Teilnahme an den Mitgliederversammlungen oder ...
Jeder ist eingeladen und willkommen sich einzubringen, um dazu beizutragen, dem Buddhismus in Deutschland eine Stimme zu verleihen, die in vielen relevanten Bereichen in unserem Land einen bedeutenden und heilsamen Beitrag inmitten unserer Gesellschaft leisten kann.

Gassho, Eure Juen und Nanzan


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Spuren

„Das Erscheinen oder Verschwinden hat ursprünglich keine festen Zeichen oder Spur“
Hongzhi



Im Zen wird häufig von dem Bestreben gesprochen, keine Spur zu hinterlassen: der Blick in ein Zendo weist in diese Richtung - spärlich möbliert, schmucklos; gleiche Matten und ähnliche Kissen. Auch in den anderen Übungsbereichen wie zum Beispiel beim Oryoki oder im Rahmen der Arbeit wird auf Ordnung, Putzen und Aufräumen großen Wert gelegt.
Das ist gut, weil es Achtsamkeit schult. An Dingen, die wir im Rahmen unserer Treffen benutzen, können wir lernen, auch mit uns selbst ähnlich aufmerksam umzugehen.
Wir putzen für uns, wir achten auf uns. Nur dann sind wir überhaupt erst in der Lage, zu geben: dem "anderen" - wie zum Beispiel unserem Zendo ein wenig Sauberkeit zum Beispiel.

Keine Spur zu hinterlassen könnte aber auch missverstanden werden als ein unbehagliches „ich darf nicht“ : Denken zum Beispiel oder meine Energie ausleben, unordentlich sein, Essen übrig lassen, „falsch“ singen. Nichts könnte verkehrter sein. Mit obigem sind karmische Spuren gemeint: Spuren, welche von meinem Ego stammen, einem Ich, das sich andauernd und immerzu bestätigt sehen möchte - weil es sonst seine Daseinsberechtigung verlieren könnte.

Wir hinterlassen andauernd Spuren.
Die Spur von Dogen Zenji ist über 800 Jahre alt, die des Buddha ca. 2500. Die gesamte, überreiche buddhistische Literatur besteht aus einer einzigen Spur. Ohne sie und die zahlreichen Spurrillen jener, die diesen Weg vor uns gebahnt haben, wären wir selbst dieser Übung wahrscheinlich niemals begegnet - oder zu einem deutlich späteren Zeitpunkt unseres Lebens.

Die beste Spur ist die unsichtbare. Es ist eine Spur, welche direkt zu unserem Herzen führt und sie ist so hell und klar, dass sie im Herbst mit „Himmel und Wasser“ verschmilzt und die gleiche Farbe hat wie „Mond und Schnee“. Wir können sie sehen und auch wiederum nicht, weil sie sowohl unsere ureigene ist und zugleich auch die von allen anderen. Sie ist federleicht und seitenstark. Sie folgt dem Wechsel und bleibt doch immerzu gut sichtbar. Sie reicht tief zurück und weit nach vorne - umso mehr, desto deutlicher wir versuchen, ihrer unmissverständlichen, spurlosen Richtung zu vertrauen und zu folgen.

... Zen Meister Hōtetsu vom Berge Mayoku fächelte sich Luft zu. Ein Mönch kam hinzu und sagte: „Meister, die Natur des Windes ist beständig; kein Ort, an den der Wind nicht reicht. Warum benutzt der Verehrte Vorsteher dann noch seinen Fächer?“
Der Meister sagte: „Obschon Du verstehst, dass die Natur des Windes beständig ist, weißt Du nicht, was es bedeutet, dass es keinen Ort gibt, an den sie nicht reicht.“
Der Mönch fragte: “Was bedeutet: kein Ort, an den sie nicht reicht?“
Der Meister fächelte sich weiterhin Luft zu.
Der Mönch verneigte sich tief.

So ist es mit der Verwirklichung des Buddha-Dharma und dem lebendigen Weg seiner rechten Überlieferung. Wenn Du sagst, dass Du Dir nicht zuzufächern brauchst, weil die Windnatur beständig sei und dass Du den Wind spüren kannst, ohne zu fächeln, so kennst Du weder Beständigsein noch Windnatur. Das Wesen der Windnatur ist beständig und daher bringt der Wind von Buddhas Haus das Goldgelb der Erde hervor und macht die Sahne des langen Flusses duften.

Genjokoan


Vogelspuren 3

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Hoher Himmel, Großer Wind

Noch bevor diese Sangha einen Namen trug, haben wir seine Gedichte gelesen. Er hat uns berührt und uns in dieser frühen Stunde einen Zusammenhalt gegeben. Er hat uns gezeigt, dass man auch fernab der "großen Zentren" ehrlich und tief Zazen üben kann: einfach, schlicht, harmonisch. Wir haben unsere Liebe zu unserer nördlichen Heimat in seinen Naturgedichten wiedergefunden. Wir haben mit ihm gelitten, wenn ihm so kalt war oder wenn er sich ganz einsam fühlte und wir haben uns gefreut, wenn er den Frühlingsanfang bewunderte oder sich mit Freunden traf.

Viele Jahre später haben uns die verschlungenen Wege des Dharmas zuerst nach Westen geführt (Great Vow Zen Monastery, Oregon). Etwas später kam jemand aus Ryokans Heimatland zu uns.

Es ist uns eine große Freude, nach zahllosen Stunden auf verschiedenen Kontinenten, zwischen drei Sprachen und Kulturen, nun unser gemeinsames Buch: „Hoher Himmel, Grosser Wind“ - Gedichte und Kalligraphien des Zen-Mönches Ryokan, veröffentlicht zu sehen.

ab 17.4. im Handel:


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Und dann und wann ein weißer Elefant...

Im japanischen Zen wird heute, am 8. April, das Vesak-Fest begangen. Dieses in vielen Ländern Asiens gefeierte Fest erinnert an Buddhas Geburtstag, außerhalb Japans auch an sein Erwachen und sein Versterben. Japan, das sich seit dem 19. Jahrhundert nach dem Gregorianischen Kalender richtet, feiert Vesak immer am 8. April und liegt somit etwa einen Monat früher als im restlichen Ostasien.
Während der Zeremonie wird ein kleiner Buddha, der mit Frühlingsblumen geschmückt ist, von denen, die möchten, mit Wasser oder süßem (Hydrangea)-Tee übergossen.
Manchmal findet sich in seiner Umgebung ein weißer Elefant, ein Symbol für königliche Würde und Seltenheit. Es ist ein buntes, farbenfrohes Fest, welches wir vielleicht auch einmal in unserer Sangha begehen werden.

Juen


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Green Gulch buddha birthday fahnen

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Kanzeon

Die Sein-Zeit zeichnet sich durch den kontinuierlichen Fluss einer Abfolge von Augenblicken aus. Sie geht vom Heute in einer Abfolge von Augenblicken zum Morgen, vom Heute in einer Abfolge von Augenblicken ins Gestern, vom Gestern in einer Abfolge von Augenblicken ins Heute, vom Heute in einer Abfolge von Augenblicken ins Heute, vom Morgen in einer Abfolge von Augenblicken ins Morgen.
Dogen, Uji


Wir sind, was wir sehen. Mit anderen Worten: wir sind, was uns erfreut, wir sind, woran wir leiden.
Unser Kopf und unser Herz, unsere Erinnerungen, unsere Achtsamkeit, unsere Lebenseinstellung insgesamt steckt in diesem Sehen, in dieser (Sein-)Zeit. Unser Leben fließt durch verschiedene Landschaften und es ist an uns, sie wahrzunehmen und an ihnen teilzuhaben. Vollkommen oder eben nur mit einem kleinen Finger. Das liegt nur an uns.
Auch deswegen praktizieren wir. Wir üben Teilnahme, wir üben Anteilnahme. Wir üben unsere Harmonie mit dem Wechsel, mit der Veränderung.
Es ist immer wieder gut, ob nach einer Woche, nach einem Jahr oder nach ein paar Jahrzehnten, uns zu fragen: wieso?
Ist es noch der Weg für mich? Bin ich noch ... „richtig“?
Bin ich ein bisschen weicher geworden, ein wenig großzügiger? Kann ich ab und an wenigstens unbekümmert sagen: „Da, nimm .... ich schenke es Dir, einfach so?“

Der Wind weht, der Mond scheint und die Wesen behindern einander nicht.
Hongzhi


Was hindert mich am Sehen?
Was hindert mich daran, teilzunehmen?
Was hindert mich daran, zu geben?

Das Heute ins Heute, das Gestern ins Geute und das Heute ins Gestern fließen zu lassen - weich, scheinbar mühelos, ohne anzuecken, frei von Behinderungen - bringt den Holzmann zum Singen und die Steinfrau zum Tanzen.
Unseren Holzmann, unsere Steinfrau.
Und ein innerstes Sehnen nach außen.
Das ist der Kreis des Weges.
Und dann: übernimm Verantwortung, trink Deinen Tee und lebe es, Dein einziges Leben: nen nen ju shin ki ... nen nen fu ri shin.

Gassho, Juen

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