Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Dec 2013

Rohatsu

Unser erster Rohatsu-Sesshin in Kaiko-An - ein überstandener Orkan, eine wunderbare Gemeinschaft - und am Schluss lauter glückliche Bodhisattvas!

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Winterformen

Die Blätter sind gefallen, nachts werden die Tierstimmen weniger. Die Natur zieht sich in Zazen zurück. Auch wir können uns etwas entspannen. Langsam geht dieses Sanghajahr zur Neige.
Wir werden unseren ersten Rohatsu-Sesshin in Kaiko-an vom 4.- 8.12. abhalten und sind glücklich, dass sich so viele angemeldet haben! Somit wird dieses bewegte Jahr einen guten Abschluss finden können.

Während wir im Zazen das Nicht-Denken denken, das Nicht-Fassen üben, werden wir in unserer Alltagspraxis dazu aufgefordert, etwas (möglichst achtsam) auszuwählen, zu packen und dann voran zu gehen. Im Alltag geschieht andauernd etwas Unvorhersehbares, wir müssen ständig auf der Hut sein, nicht aus der Übung zu fallen. Hier ist von uns zunehmende Beweglichkeit gefordert und die Fähigkeit, uns vollkommen auf eine Sache zu konzentrieren.

Die Formen - wie zum Beispiel Kinhin, Oryoki, Glocke/Han, die Praxis eines Doan oder eines Kokyo - sollten, nach sorgfältiger Anweisung, immer auf die gleiche Art ausgeführt werden.
Im Gegensatz zum Zazen sind wir in Bewegung, aber wir halten das Denken an. Somit stehen die Formen etwa in der Mitte zwischen Zazen und Alltgasübung.

Hier ein paar Beispiele:

Gassho
in dieser Haltung, bei der beide Handinnenflächen zusammengeführt werden, können wir nichts verstecken, nichts Böses tun. Indem wir rechte und linke Hand gerade und entschlossen aufeinanderlegen, bringen wir Form und Leere zusammen, Sein und nicht-Sein, Relatives und Absolutes.
Dann beugen wir leicht den gestreckten Oberkörper und indem wir unseren Kopf nach vorne bringen, zollen wir unserem Gegenüber und unserem Kissen Achtung. Wir drücken aus: wir sind Freunde.

volle Verbeugung
Bei der gotaitoji, bringen wir alle „fünf Körperteile auf den Boden“ und heben dann Buddhas Füße auf unseren Handinnenflächen hoch. Wir heben sie über unsere eigene Kopfhöhe.
Dies ist sowohl Ausdruck großen Vertrauens als auch tiefer Dankbarkeit. Es bringt weiterhin unsere Zufluchtnahme zu den drei Juwelen zum Ausdruck und es bezeugt auch unsere Kapitulation vor unserem Ich.
Wenn wir bei jeder unsere Formen, vom Tee-Ausschank bis hin zum Doantraining, diese Haltung der Achtung und Achtsamkeit einnehmen, dann werden sehr rasch auch unsere Formen eine weitere Ausdrucksform unserer Praxis darstellen: sie werden Ausdruck unseres Herzens und unserer Geisteshaltung sein.

Gesang
Wir bemühen uns, mehr mit den Ohren zu singen als mit dem Mund. Irgendwann im Laufe der Rezitation werden wir ein Klang, ein Ohr, ein Mund.
Das Ich verschwindet. Tut es dies nicht, kommen wir aus dem Takt, bemerken dies und versuchen es noch Mal.

Shunryu Suzuki betrachtete die Formen als einen Teil der Grundsätze: wie wir die Silas beachten, zeigt sich auch in unserer Ausübung der Formen. Für ihn sind die Grundsätze Ausdruck unserer wahren Natur.
Je vollkommener wir ihnen folgen, desto mehr wird sich auch ihre Bedeutung für uns erschließen. Solange wir zaudern, nachdenken, abwägen, etc. wird es für uns sehr schwer, sein, uns selbst als vollkommen präsent zu erleben. Das Ausüben der Formen fördert unsere Intuition, auch gegenüber anderen Menschen. Und es bringt unser Vertrauen in unsere eigene Buddha-Natur immer wieder hervor.
Nicht weil diese bereits perfekt wäre, sondern weil sie der eines Buddhas zutiefst gleicht.

Ein Buddhist zu sein, bedeutet, die Dinge wie ein Buddha zu tun.

Gassho, Juen
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