Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
Navigation
Dec 2016

Buddha

Was ist Buddha für uns? Wir halten wir ihn lebendig?

Wie in jeder religiösen Tradition, zollen wir dem historischen Buddha Respekt. Wir tun dies unter anderem durch vielfältige Rituale, die uns nicht nur Achtsamkeit lehren, sondern uns Raum geben für das zutiefst menschliche Bedürfnis einer Hingabe an etwas, das außerhalb der Form steht, die wir als „unser Ich“ bezeichnen. Mit den Ritualen, die wir in der Zen-Tradition haben, wie zum Beispiel Gesang, Verbeugungen, Oryoki, bezeugen wir Respekt vor dem historischen Leben und Wirken Buddhas. Das ist eine Art, „Buddha“ lebendig zu halten.

Doch Buddha ist weit mehr als die Referenz an einen Religionsgründer. Buddha bedeutet auch: erwachtes Handeln.

In seinem Kapitel „Gyobutsu yuigi“ beschreibt Dogen unter anderem die Eigenschaften eines Buddhas: „Nur ein handelnder Buddha kann sein Tun und Handeln auf der Ebene der Buddha-Wahrheit vollenden“.

Diese Handlungen haben zahllose Formen und Ausdrucksweisen. Ihnen zugrunde liegt eine Haltung, die einerseits individuell geprägt ist, andererseits eine zutiefst universelle Farbe aufweist: die der Einheit. Einer Einheit, die geprägt ist durch Vertrauen und Klarheit in die Verbindung zueinander und zwischen einander. Das ist es, was der Erwachte sah beim Anblick des Morgensterns: sein eigenes Gesicht. Ein Gesicht, das sich widerspiegelt in einer kastenlosen Frau, die ihm etwas zu Essen anbot, in Blumen, dem Fluss vor ihm, den Gräsern und Insekten neben ihm. Er war nicht alleine. Es gab nichts außerhalb seiner selbst.

Es geht nicht nur um „meine“ und „Deine“ Erleuchtung. Diese ist nur möglich gemeinsam mit allen. Was der Buddha uns nahelegte, war damals genauso unpopulär wie jetzt gerade, wo Furcht, Abgrenzung und Misstrauen weltweit wieder einmal an die Oberfläche gleiten: mein Glück funktioniert nicht dauerhaft, wenn ich in Selbstbesorgtheit, meinen kleinen Ängsten eines etwaigen Zurückbleibens und „nicht genug Bekommens“ verhaftet bleibe. Es wird nur dann von Dauer sein, wenn ich die mir so lieb gewonnene Opferposition verlasse und mich aufmache, selbst Verantwortung zu übernehmen. Und zwar für die gesamte Katastrophe, die auch meine ist. Denn es geht um mein Leben und wie meine Welt, so klein sie auch aussehen mag, beschaffen sein soll.

Es ist ein radikaler Akt, jener Richtungswechsel, den er uns nahegelegt hat: hinweg von der 100%en Energie auf mein geliebtes Individualbefinden hin zu dem Wohle aller anderen: Menschen, Tieren, Steinen, Gräsern und den Ressourcen dieser Erde, die uns allen gegeben wurde. Es ist ein endloser, vitaler Prozess, der niemals endet. Und doch gibt es kaum etwas freudigeres, kreativeres und dauerhafteres, das wir mit diesem einen geschenkten Leben tun können.

Gassho,
Juen

P1040244

P1040251

P1040262




Comments