Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Feb 2012

Uji

Manchmal bedeutet: Zeit ist Sein und alles Sein ist Zeit. Ein goldener, sechzehn Fuß hoher Körper eines Buddhas ist Zeit. Da er Zeit ist, besitzt er den strahlend goldenen Glanz der Zeit. Übe und erlerne dies anhand der zwölf Zeitabschnitte unserer Tage. Drei Köpfe und acht Arme sind Zeit, daher identisch mit unseren zwölf Tageszeiten.

Dogen Zenji, Uji



Der leuchtende Glanz der Zeit - die Schönheit und Würde eines jeden Moments - als Buddha. So wie Dogen in Mahaprajnaparamita, seiner Ausführung zum Herzsutra, schreibt: „alle Wesen und alles insgesamt sind prajna“. Das Licht der Weisheit. Alles ist Prajna, hat Schönheit und Würde.

Dies zu lernen und zu üben ist nicht leicht. Nicht immer sehen wir die Schönheit und Würde jedes Augenblicks, meistens sind es nur bestimmte Momente, die wir genießen. Schwierige Zeiten oder langweilige Abschnitte, Tage, in denen „nichts Besonderes“ passiert, erscheinen uns weniger glanzvoll.
Aus der Perspektive eines Bodhisattvas, der alles und jedes als Prajna betrachtet, ist das ein bisschen einseitig. Diejenigen, die stilles Erhellen suchen, schauen auch in den dunklen Ecken nach ...

Wir sind dazu aufgerufen, in den „zwölf Stunden des Tages“ uns genau darin zu üben. Wir brauchen Weisheit, um die Gleichheit aller Wesen und aller Zeiten zu sehen.

So lange aber unser Bewusstsein unter überwiegender Kontrolle unseres Egos steht, können wir nicht klar sehen. Alles, was wir dann sehen ist: gut/schlecht, schön/nicht schön, ich mag das/ ich mag das nicht.

Wenn wir uns aber der Weisheit Buddhas gewahr werden, dann können wir den leuchtenden Glanz der Zeit immer sehen, in jedem Augenblick. Oder es zumindest versuchen.

Zahllose Lebewesen –
ich gelobe, alle zu retten.
Endlos: täuschende Gedanken –
ich gelobe, alle zu lassen.
Unzählbare Dharma-Tore –
ich gelobe, alle zu durchschreiten.
Unübertroffen: Buddhas Weg –
ich gelobe, ihn zu verwirklichen.

Was zählt, ist der ehrliche, wiederholte Versuch. Wiederholt, weil wir nur so ankommen können und ehrlich, weil wir wissen müssen, wann wir wieder von vorne beginnen sollten.

So wie zu unserer Übung ein lächelnder friedvoller Buddha gehört und auch jener Buddha mit den drei Köpfen und acht Armen, der uns energisch in der Übung hält, sind schwierige Zeiten wichtig. Auch deswegen sind sie goldene Zeiten, weil wir genauer hinschauen. Das macht sie so lebendig. Sommertage sind wunderbar und kostbar. Meistens denken wir dann nicht viel. Und schon sind sie wieder vorbei!
In frostigen Augenblicken hören wir besser zu, wir hinterfragen, wir halten inne, wir ändern unsere Perspektive. Gegenwind, Eiseskälte und dunkle Stunden können uns oft ein besserer Lehrer sein - für das Er- und Durchleben dieser Tage sowie für das Morgenlicht danach.

Gassho, Juen


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