Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
Navigation
Jan 2011

Einfach bleiben

Gibt es, so mögen wir fragen, während der Januar als Monat der Gelübde in den Februar, Monat des Pari-Nirvana übergeht, so etwas wie eine Essenz dessen, was wir hier tun?

Selbst der Buddha tat sich schwer. Er versuchte alle Arten von Übungswegen, bis er sich schlussendlich unter den Bodhi-Baum setzte. Der Überlieferung nach führten ihn die unabänderlichen Tatsachen in unserem Leben - Alter, Krankheit, Tod - dazu, sein behütetes Zuhause zu verlassen, um sich auf die Suche zu begeben. Die Suche nach etwas wie Friedsamkeit, innerer Ruhe - Zufriedensein.

Wir alle sitzen unter einem Bodhi-Baum. Mindestens ein, für manche zwei Mal die Woche, treffen wir uns dort gemeinsam. Wir nehmen unseren Platz ein. Anfangs meistens hochmotiviert. "Heute! Vollkommene Ruhe! Kensho!"
Dreißig Minuten später mögen diese guten Absichten mehr oder weniger ferne Erinnerung sein. Viele von uns haben bereits ein klein wenig erfahren, dass es - wie in den Geschichten um den Buddha unter dem Bodhi-Baum - eine Vielzahl von Besuchern gibt, die unseren anfänglichen Schwung untergraben möchten.
Die meisten von uns bringen, spätestens ab Tag zwei eines Sesshins, ihre inneren "Dämonen" mit ins Zendo. Wir bemühen uns lange, sie zu verbergen. Es gelingt selten und ist meist dann für andere noch gut sichtbar. Nach zahllosen Sesshin, Kursen oder Sangha-Tagen, Jahren auf dem Kissen, werden wir aber irgendwann mürbe.

Ähnlich wie sich die Aufmerksamkeit eines quengelnden Kindes bei Nichtbeachtung nach einer Weile auf etwas anderes konzentrieren wird, verlieren unsere Dämonen daraufhin langsam das Interesse an uns.
Warum? Weil wir uns nicht länger vor ihnen verstecken. Weil wir sitzen bleiben, wenn sie uns bedrohen. Weil wir uns inzwischen so oft selbst angeschaut haben, in- und auswendig, dass sie uns nichts Neues sagen können. Es gibt nichts mehr zu verbergen: wir lächeln. Wenn unsere Monster zu unseren Maskottchen geworden sind, haben wir gewonnen.
Es ist der einzige Weg, sie zu befrieden. Wir müssen sie aushalten, all ihre Raffinessen - ungeschönt.

Insofern ist Sitzen auch immer: Kapitulation. Unser Ich hat auf viele Arten versucht, diesem kleinen Leben einen Sinn zu geben, es möglichst angenehm für uns zu gestalten. Es hat nicht wirklich funktioniert, zumindest nicht dauerhaft. Das nagende Gefühl: von jenem etwas, das fehlt, immer noch... - es bleibt. Sonst hätten wir nie den Weg in ein Zendo gefunden.

Wenn wir aufgeben, hört die Suche ebenfalls auf. Wie auch unsere oft quälenden Fragen. Wir lassen unseren Körper sitzen, damit sich in unserem Kopf die zehntausend Dinge setzen. Wir bleiben dabei und gestatten, ermattet wie wir mittlerweile sind, unseren Lebenshöhen und -tiefen, sich in uns heimisch zu fühlen. Wir halten alles aus: unsere peinliche Hypochondrie. Unsere theatralische Eifersucht. Unseren vollkommen unbegründeten Geiz. Unser Hang zum Schummeln. Unsere klebrige Trägheit. Unsere auf Angst begründete Arroganz. Unseren geerbten Jähzorn.

bodhi

Dieses Sitzen wird irgendwann, wie alles in unserer Übung, zum Symbol. Wir brauchen uns nicht mehr umzuschauen, denn wir haben schon überall nachgesehen.
Wir sitzen, wie es im Zen heißt, "ohne Ziel". Das ist nicht fatalistisch gemeint und es soll auch nicht bedeuten, dass Ziele gut oder schlecht sind. Es bedeutet: wir bleiben. In dieser angenehm-unangenehm-schmerzhaft-entspannend-stabil-federleichten Haltung.
Wir lauschen. Wir warten. Wir sind entschlossen, dieses Mal nicht zu reagieren. Je weniger wir tun, desto mehr geschieht. Bis irgendwann, irgendwo, die Frage, mit der wir alle geboren wurden und die uns bewegt hat, diesen wunderbaren Weg zu gehen, zu unserem eigenen Leben wird. Zu unserer Frage, zu unserer Antwort. Täglich und immer wieder. Für immer.

Gassho, Juen

Comments

Und jetzt?

Der Januar ist im buddhistischen Kalender oft der Monat, an dem wir uns mit unserem Gelübde beschäftigen, wir haben schon ein paar Mal darüber gesprochen und auch hier geschrieben. Ein Gelübde ist nicht ein guter Vorsatz, sondern bezeichnet die Ausrichtung, welche wir unserem Leben insgesamt geben möchten.

Wie möchte ich mein Leben leben?
Was tue ich hier?
Was gibt diesem Leben Frieden, Frische und Energie?

Wasser1

Ein Gelübde ist wie ein feiner Magnet, der uns in eine bestimmte Richtung lenken kann. Bereits der Buddha sprach davon, verkehrte Sichtweisen umzudrehen. Eine Orientierungshilfe können die meisten von uns gut gebrauchen, denn nicht nur herrscht bei uns selbst oft „Welt verkehrt“, sondern wir sehen dies auch bei anderen und werden bewusst oder unbewusst hiervon beeinflusst.

In dem halben Jahr, in dem wir den Achtfachen Pfad besprochen haben, wurde deutlich: was ich jetzt gerade für mein Leben möchte, ist die Summe aus meinem Kopf und meinem Körper. Von hier aus erschafft sich mein gesamtes Leben. Andauernd. Wir tragen es sprichwörtlich in uns, mit uns.
So, oder... so?

Auch deswegen - zum Depolarisieren - ist das gemeinsame wöchentliche Zazen wichtig.
Im Zendo ist das alles noch relativ einfach. Hinsetzen, loslassen, schweigen und einfach sitzen bleiben. Zazen ist der Magnet. Unsere Haltung wird zum Symbol. Fest verankert, können wir gar nicht anders, als sitzen zu bleiben. Wir bleiben dabei, dabei, dabei - bis zum Gong und dann wieder aufs Neue. Am deutlichsten wird dies und die heilsame Kraft des - Dabeibleibens - während eines Sesshin.

Außerhalb des Zendos lässt dieser Magnet oft etwas nach, das ist ganz natürlich. Wir denken, treffen Entscheidungen. Das beginnt schon beim Aufräumen nach dem Zazen. Fortan geschehen andauernd Dinge, die uns lieb und oft weniger lieb sind. Wir reagieren, denken, agieren und so weiter. In schneller Abfolge. Plötzlich kommt uns etwas abhanden. Wie können wir uns im Alltagsgeschehen wieder erden?

Was kann helfen, wenn wir unsere Orientierung verlieren?
Ein Gelübde bestimmt die Überschrift, unter die wir unseren Alltag stellen - alles, was wir jetzt gerade tun - vom Schuhe putzen bis zu wegweisenden Veränderungen.

Wasser3

Hierbei sind diese selbst natürlich von Bedeutung, entscheidender zunächst aber ist, wie wir sie treffen. Die richtigen, die heilsamen Entscheidungen kommen von selbst, wenn wir wachsam sind und wachsam bleiben gegenüber dem Prozess, wie sie in uns zustande kommen.

Es ist gut, unsere Gelübde am Jahresanfang zu überdenken und, wo nötig, anzupassen und vor allem: zu erneuern.
Gelübde sind lebendige Wesen, die nur dann verinnerlicht werden können, wenn wir sie möglichst oft besuchen.
Ein Gelübde weist in die Zukunft, hilft uns in der Gegenwart und: es erinnert uns.
Woran? An unsere Möglichkeiten. An das große Potential, das in uns schlummert. Buddhas vollkommenes Erwachen - anuttara samyak sambodi - ist das Erwachen von allen gemeinsam. Deswegen „benötigt“ Buddha uns genauso wie wir ihn.

Ein Gelübde ist auch: Ausdruck des Glaubens an mich selbst, des Respektes mir gegenüber. Weichen wir ständig aus, geben wir uns wissend unseren Gewohnheitsenergien hin, ist das auch ein Ausdruck mangelnden Respektes uns selbst gegenüber - unseren Möglichkeiten gegenüber. Buddhas Weg in unserem Leben gegenüber.

Ich habe mich lange gefragt, warum in dem Schweigekloster in Kalifornien als einziger Satz „Diese Übung beginnt erst dann, wenn die Abneigung mir selbst gegenüber aufhört“ in großen Lettern im Essensraum prangte.

Mangelndes Selbstwertgefühl ist eine Form der Unterdrückung genauso wie es eine Form der Unterdrückung darstellt, wenn ich andere zu manipulieren versuche. Es leugnet die Buddha-Natur aller Wesen. Daher müssen wir uns wirklich gut, richtig gut, kennenlernen.
Frieden schaffen. Befreien.
Hierin ist unsere Übung zutiefst sozial.

Krieg, gesellschaftliche Unterdrückung, Umweltverschmutzung, Ressourcenraub sind eine Beleidigung für den Buddha. Jenen und den anderen. Nur beide können wirken. Yuibutsu yobutsu.

Dem Buddha-Weg zu folgen bedeutet, Vertrauen in das Glück anderer und das Leben als Ganzes zu entwickeln.

Das erscheint zunächst ziemlich groß.
Wir können damit beginnen, es für uns selbst zu erwirken. Schritt für Schritt, Fehlschritte inklusive. Diese insbesondere. Das Zurückgehen ist mindestens genauso wichtig wie das Vorankommen. Tag für Tag. Jahr für Jahr. Bis wir damit halbwegs durch sind, dauert es ein wenig. Wir sollten uns dabei besser nicht umschauen.

Tun wir es schlussendlich, haben sich all die anderen, vor uns, hinter uns und um uns, längst hinter uns gesellt. Ihre Tür stand immer offen. Sie haben niemals an uns gezweifelt und freuen sich unbändig, fortan nicht mehr alleine zu sein.

Gassho, Juen

Wasser2

Comments

Neujahresfeier 2011

Unsere Neujahresfeier zeichnete sich aus durch die Teilnahme von zwölf sitzenden und einem im Haus ruhenden Bodhi auf vier Beinen.
Nach dem Zazen folgte wie immer die Rezitation - mit einem großen Unterschied: erstmalig auf den von Angelika so professionell wie kunstvoll gebundenen Einbänden! Vielen Dank hierfür. Wir hoffen, die blauen Bände mit unserem Logo noch möglichst lange mit Euch benutzen zu können!
Die Rezitation an den Sanghatagen wird ab jetzt in der Regel die Rezitation der Ahnenlinie beinhalten, wir haben gerade damit begonnen.

Wie immer, ließen wir im Rahmen der anschließenden Feier das vergangene Jahr Revue passieren. Während wir in 2008, dem Einzug in unser erstes Zendo, viele Veränderungen vor allen in unseren Formen einführen mussten, war 2009 ein Jahr der Konsolidierung. 2010 könnte als „Sanghajahr“ beschrieben werden.

Es zeichnete sich aus durch eine sehr stabile Teilnahme und vermehrte Hilfsbereitschaft, eine deutlich mehr spürbare Zuversicht im Ablauf an den Sanghatagen, sowie die vermehrte Abgabe von Aufgaben, die den Ablauf im Zendo betreffen. Letzteres ist ein eindeutiges Zeichen für Tragfähigkeit und Konstanz - bei aller Pflege und Zuwendung, welche die unverändert zarte Pflanze Wind und Wolken unvermindert benötigt.

Wiederum schier unerschütterlich unser Donnerstagstermin in Lindau, der in diesem Jahr zum ersten Mal nahezu durchgehend stattfand und in der letzten Hälfte noch ein wenig personell verstärkt wurde. Das bedeutet für einige zwei Mal pro Woche gemeinsames Zazen!

Unser Pari-Nirvana Sanghatag musste wegen Schneeverwehungen ausfallen, wir hatten insgesamt zehn Sanghatage. Im März haben wir uns mit Dogen‘s „Frühling malen“ beschäftigt, kurz davor fand die erste Zen-Einführung in Eckernförde statt.
Der April hielt einen Sangha-Tag über die Richtlinien für ethisches Handeln bereit, als Vorbereitung für den Aufenthalt von Eido-san Anfang Juni, an dem wir bei herrlichem Wetter zu einem Wochenend-Sesshin mit Jukai-Zeremonie zusammen kamen. Kurz darauf traf Kazuaki Tanahashi Sensei ein und übte mit uns, neben japanischer Aussprache bei der Rezitation, den Zugang zu Ryokan‘s Gedichten an einem weiteren Sangha-Tag.
Im Juli konnten wir endlich den lange geplanten Tag über Geh-Meditation halten, der so inspirierend war, dass wir dies gleich im Rahmen des Rohatsu-Sesshins fortgesetzt haben.
Nach der Sommerpause folgte ein Tag über „Arbeit als spirituelle Übung“. Im September fand auch eine Vorstellung des Soto-Zen im Rahmen eines Kongresses in Eckernförde statt. Kinhin in einem mittelgroßen Raum mit etwa vierzig Neulingen, das wird noch lange in Erinnerung bleiben!
Im Oktober hatten wir, neben einem erneuten Besuch von Kaz Tanahashi, einer Einführung in die Rezitation auch noch eine Zen-Einführung in Schleswig sowie einen Sangha-Tag zu „die gesamte Welt ist Medizin“.
Wir haben sie in diesem Monat ausreichend gekostet. Vielen Dank!
Der November war geprägt von den vielen Eindrücken während des Dogen-Forums in San Francisco, bevor es dann in Rohatsu ging mit seinen nicht unerheblichen logistischen Herausforderungen, wetterbedingt. Unbedingt noch zu erwähnen sind drei Besuche von Euch in ZenRiver, welche den unvermindert guten Kontakt weiter vertiefen konnten.
Die vorhersehbaren Herausforderungen und Neuigkeiten, welche uns in der ersten Hälfte dieses Jahres begegnen werden, haben wir im Rahmen der Neujahresfeier angesprochen.
Es ist von heute aus betrachtet, schwer zu sagen, welche Überschrift dieses Jahr für unsere Sangha tragen wird. Räumliche Veränderungen, gewollt oder ungewollt, sind immer auch eine Chance: für Wachstum, Verbesserung und verstärkten Zusammenhalt.
Das Wichtigste ist und bleibt unsere Übung, alleine und gemeinsam, gemeinsam und alleine. Jeder Raum entsteht von dort.
Und: überall gibt es eine Wand, gibt es ein Nickerchen!

Wir freuen uns auf gutes Zazen, auf ein weiteres Jahr mit Euch,

Gassho, Juen und Nanzan

folder

Comments

Glaube nichts! Glaube alles, alles!

„Sich nicht auf Wort und Schrift zu verlassen“ gilt, seit Zen in China einzog, als einer der Grundsätze unserer Übung.
„Ein gemalter Reiskuchen macht nicht satt“ - wir müssen unsere Erfahrungen selber machen, sie können nicht erlernt, erlesen oder kopiert werden.
In leuchtendem Rot prangte über der riesigen Spüle in Kalifornien: „Glaube nichts!“

Das ist die eine Seite und es ist vielleicht diejenige, die manchen von uns im Zen anfangs gut gefällt. Endlich müssen wir nichts mehr glauben! Vor allem: müssen wir nicht erst sehr lange glauben, bevor irgendetwas geschieht. Und: wir müssen all das nicht glauben, was wir ohnehin noch nie so richtig glauben konnten, tief in unserem Innersten.
Wir können ab jetzt unsere eigenen, ureigenen Erfahrungen machen - unbenommen äußerer Vorgaben wie „richtig“ und „falsch“. Die Wertung ist uns vollkommen selbst überlassen. Nur wir selbst wissen, ob unsere Erfahrungen echt sind oder bloß eine weitere Spiegelung von außen.
Wir können munter darauf los erfahren und neugierig endlich, endlich unsere eigenen Erfahrungen machen. Ein anderes Leben erscheint.

Allerdings: wir kommen nicht umhin, hierfür einiges abzulegen. Denn um „das Gesicht zu wenden und das Mark zu erzielen“ müssen wir in vieler Hinsicht von vorne anfangen. Komplett. Zurück auf Null. In vielem, was uns vollkommen selbstverständlich erscheint.
Wie wenn wir eine ganz neue Sprache lernen. Zumindest habe ich mich lange so gefühlt.

Machen wir eine Liste von Dingen, die wir an uns schätzen, die wir in unserem Leben mögen. Fügen wir noch unsere wichtigsten Umgangsmechanismen mit unliebsamen Situationen hinzu. Und Dinge, von denen wir felsenfest überzeugt sind. Vergessen wir ein für alle Male das Wörtchen „man“ oder Satzanfänge wie: „Ich habe gelesen...“, „in soundso steht aber...“. Da ist noch mehr, was wir ablegen sollten, um dichter herantreten zu können. Es geht immer noch ein wenig näher.
Das ist der Preis. Er ist hoch. Für viele ist er zu hoch.
Das ist die eine Seite.

Gleichzeitig ist unsere Übung unmöglich, ohne zu glauben. In der gesamten Geschichte des Buddhismus, noch lange vor der Entwicklung des Zen, hat Glaube, shraddha in Sanskrit, im Leben der Meditierenden eine große Rolle gespielt.
Auch hier, wie in so vielen anderen religiösen Traditionen, hilft es sehr, zu glauben. Zunächst.
Jemand kommt zum ersten Mal zu uns und wir rezitieren das Herzsutra, einen Text auf altjapanisch. Beim Mitsingen glauben wir, dass dies auf Schriften beruht, die etwa im achten Jahrhundert von Indien nach China gelangten. Wir glauben, dass ihr Inhalt im Kern mit dem, was wir selbst für gut halten, übereinstimmt.
Gerade am Anfang beim Sitzen hilft es enorm, zu glauben, dass diese unbequeme Haltung wirklich gesund und heilsam ist. Unterstützend wirkt hierbei die jahrtausendelange Tradition, aber sie ist kein Garant.
Nach einer Weile wird der Sitzende die Lehren Buddhas mit seinen eigenen Erfahrungen verbinden und von jetzt an vermengt sich Erfahrungs“wissen“ mit Glauben.
Im Gegensatz zum Beispiel zum Christentum, in dem Glaube immer eine zentrale Rolle spielt, wird im Laufe unserer Übung unser anfänglicher Glaube verwandelt. Wie alle Meister nicht müde werden zu betonen, machen wir einen großen Unterschied zwischen dem Glauben, dass wir kein eigenständiges Ich besitzen und der Erfahrung, dass es tatsächlich so ist.


Es gibt ganz verschiedenen Arten von Glaube: an bestimmte Worte oder Personen. An Dinge, die ich nicht nachprüfen kann. Glaube, der daraus resultiert, weil etwas sich ständig wiederholt wie: mitten im tiefsten Winter - irgendwann Frühlingserwachen.

Glaube im Buddhismus zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass unsere Übung irgendwann die Wahrheit bezeugen wird - unsere eigene Buddha Natur.
Daher konnte der Buddha sagen: „Das große Tor der Lehre Buddhas wird geöffnet durch die Tür des Glaubens“.

Dogen Zenji:
„Wenn alle Dharmas diese (eine) Wirklichkeit bezeugen - sie zeigen -, dann ist das so, selbst für ein Staubkorn, für Gräser, für Bäume. Der eine Geist ist das Dharma, alle Dharmas sind der eine Geist, sind der gesamte Körper“.
Auch Meister Mazu‘s „Dieser Geist ist Buddha“ besagt nichts anderes.
Es gibt nichts außerhalb Buddha.

Ohne Glauben an diesen Weg könnten wir uns nicht so regelmäßig treffen. Wir glauben an die Grundlagen für ethisches Handeln, an ihren Erhalt, an die beschützende Kraft unserer Rakusu, an die Vier Gelöbnisse, an die Zufluchtnahme, an unsere Reue. Unsere Übung ist auch Glaube.

Zazen ist Glaube.
Wie sonst wollen wir erklären, dass wir nach nichts suchen, nichts anstreben, nichts „denken“? Stundenlang. Unser Leben dafür umkrempeln. Uns immer wieder hinsetzen. Seit Jahren. Unter teilweise nicht unerheblichen körperlichen und seelischen Schmerzen?

Das „Selbst vergessen“ ist Glaube. Unser endloses Suchen nach Bestätigung, nach Geschichtenerzählen und Gewinn erhaschen wird umso kleiner, desto mehr unser Glaube wächst.
Worin? Uns in Buddhas Haus zu werfen, werfen zu können. Uns jenem anderen zu überantworten, das wir Buddha nennen. Allem anderen. Es erscheint, wenn wir „shinjin datsuraku“ erfahren, das Abfallen von Körper und Geist.

In unserem Zazen geschieht dies. Ob wir es wahrnehmen oder nicht. Echtes Zazen - nicht sitzen und Denken denken, nicht sitzen und Dramen erfinden, sondern echtes Zazen - ist eine Handlung, die frei ist von jeglicher Selbstbesorgtheit.
Wir bilden keine Meinungen, wir haften nicht an, wir verabscheuen nicht.
Während dieses Zazen halten wir alle Precepts ein.
Während dieses Zazen haben wir das Selbst vergessen.
Während dieses Zazen sind wir Buddha.
Ob wir es glauben oder nicht.

Gassho,
Juen


Comments

in neuem Gewand

Pünktlich mit all den guten Vorsätzen und frischen Gedanken zum Neuen Jahr, der plötzlichen Hoffnung auf - hmmm - Frühlingsluft und Stiefmütterchen - hat unsere Webseite ein neues Antlitz erhalten.
Nach etwa vier Jahren waren Aktualisierungen und Veränderungen nötig, so ist zum Beispiel der Blog jetzt in der Website integriert.
Wir hoffen, all Ihr Freundinnen und Freunde, bekannt und unbekannt, nehmt diese Neuerungen freundlich auf!
Es sind nur Worte und Bilder. 
Doch vielleicht können sie dem, wonach wir streben - dem, was wir in unserer Übung sehen, hören, fühlen und schmecken - ein wenig Ausdruck und eventuell sogar etwas mehr Klarheit verleihen.

Gassho,
Juen und Nanzan
Comments