Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Jan 2012

Verwandlung: Zen in Eckernförde

Am vergangenen Wochenende fand in Eckernförde, von Kazuaki liebevoll „Eggtown“ genannt, ein Tag der besonderen offenen Tür statt.
Besonders, weil auf ehemals kriegerischem Gelände.
Besonders, weil es in unserer Zeit nicht selbstverständlich ist, im Rahmen von Umbau und Umwidmungsarbeiten an etwas wie einen „Raum der Stille“ zu denken. Und besonders, weil an einem wunderschönen hellen Wintertag viele Besucher den Weg dorthin fanden.
Zugegeben: das Gelände ist gewöhnungsbedürftig. Eine Kaserne ist und bleibt eine Kaserne. Es wird lange Zeit und viel gute Energie benötigen, diesen Ort zu befrieden. Umso mutiger, jetzt bereits damit anzufangen, wo sich noch weite Teile des riesigen Geländes im Umbau befinden.
Der Raum ist einfach, nicht groß und vor allem der Weg dorthin kostet etwas Überwindung: Linoleumböden, ein sachliches Treppenhaus, Neonlampen, der Kasernenvorplatz.
Aber es ist still dort und wir haben somit eine weitere Möglichkeit, zu üben. Eine nicht so leichte Anreise ist auch symbolisch für unseren Weg.
Überall üben zu können, im romantischen Vorgarten und im Rotklinkerbunker, mit der Leichtigkeit einer friedvollen Umgebung und der Schwere eines belasteten Raumes - auch das ist unsere Aufgabe.

Die erste Einführung in die Zen-Meditation im Raum der Stille von Carlshöhe findet statt am Sonntag, 25. März, von 10 bis 13 Uhr.
Anmeldungen bitte unter folgender Email-Adresse:
windundwolken@gmail.com

Juen

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Heute neu: Ein... Aus...

„Manchmal ist der Gedanke erlangt, aber das Wort fehlt.
Manchmal ist das Wort vorhanden, aber das Denken fehlt.
Manchmal sind Wort und Gedanke beide vorhanden.
Manchmal fehlen sowohl das Wort als auch das Denken“.


Dogen, Uji


Im Johanniskloster haben wir uns am vergangenen Freitag auch über unsere Atmung unterhalten, ausgehend von einem Text von Shunryu Suzuki Roshi, in welchem er von absichtsloser Atmung spricht. Suzuki spricht vom Einatmen „ohne Mühe“ und davon, hierin ganz natürlich zu einer „gewissen Farbe und Form“ zu finden. Er spricht vom Ausatmen als einem Vorgang, während dessen wir uns „auflösen“.

Manchmal auf einem riesig hohen Berggipfel stehen. Manchmal am Grund des tiefsten Meeresgrundes gehen. So beginnt unsere Übersetzung von Dogens Uji - Sein-Zeit.
Manchmal sehe ich. Das ist meine Aufgabe. Möglichst genau, möglichst ungehindert, möglichst präzise und von meiner eigenen Erfahrung ausgehend, erlange ich einen Rundumblick. Manchmal auch nur einen Viertelumblick, aber ich übe daran. Dazu ist es notwendig, dass ich Unterscheidungen treffe, denn ohne sie kann ich nichts erkennen.

„Der große Weg ist gar nicht schwer für jene, die keine Auswahl treffen. Wenn Vorlieben verlassen werden, liegt der Weg klar und unverhüllt vor Dir“ - heißt es im Shinjinmei von Zen-Meister Sosan (um 600).

Nun die große Frage: wie kann ich sehen, unterscheiden, ohne eine Vorliebe oder Abneigung unmittelbar, meist reflexartig, anzuschließen? Hierauf gibt es viele mögliche Antworten. Die meisten haben etwas mit Verlangsamung, mit Zuhören und Lauschen zu tun.
Passt mein Urteil mit meiner Wahrnehmung zusammen?
Was ist überhaupt meine Wahrnehmung?
Wie geschieht sie?
Inwiefern verändert sie sich durch meine Bewertung?
Atme ich lieber ein oder aus?
Wenn ich meinen Atem verfolge, liegt meine Betonung auf dem Ein-, oder Ausatem?
...

Oft messen wir dem Einatmen eine höhere Bedeutung bei. Abgeben scheint schwerer. Auflösen kann beängstigend wirken, Sterben ist bedrohlich. Die Erkenntnis, dass wir leider nicht in der Lage sind, uns „aus eigener Kraft“ am Leben zu erhalten, mag zunächst schmerzlich sein. Später irgendwann, bedeutet sie eine große Erleichterung. Wir müssen nicht mehr krampfhaft nach Form und Leben Ausschau halten.
Wir können einfach verschwinden, uns ausleihen an die Große Weite. Bis zum nächsten Einatem.

Gassho, Juen


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Auf ein Neues !

Im Rahmen einer leisen Neujahresfeier haben wir uns auch, wie immer, an unser vergangenes Sanghajahr erinnert - als Anerkennung, Ermutigung und Abschluss.
Es ist gut, dass manches selbstverständlich ist. Es ist gut, dass wir nicht wöchentlich darüber nachdenken, ob wir uns zum Zazen treffen sollen oder nicht. Wenn Donnerstag ist, sitzen wir. Wenn Freitag ist, sitzen wir. Wenn Sanghatag ist, sitzen wir mit - so oft als möglich.
Es ist aber auch hilfreich, gelegentlich die eigene Anstrengung zu würdigen, sich zum Beispiel auch an kalten und stürmischen Wintertagen nochmals auf die Reise zu begeben oder nach einem anstrengenden Arbeitstag.
Auch das letzte Jahr war geprägt von einer konstanten Teilnehmerzahl sowohl an unseren beiden wöchentlichen Terminen als auch an den insgesamt zehn Sanghatagen. Wir haben uns unterhalten über „Alter,Krankheit, Tod“, über Ryokan, über Dogens Kapitel „Gabyo“ und, zu Rohatsu, „Fukanzazengi“. Wir haben über „Verwandlung“ im Rahmen des Frühlings-Sesshin gesprochen und begonnen, uns ab Herbst mit dem Satipatthana-Sutra zu beschäftigen.

Kazuaki Tanahashi Sensei kam uns, wie schon seit vielen Jahren, zwei Mal für jeweils eine Woche besuchen. Im August konnten wir eine Woche lang Alan Senauke Sensei hier begrüßen, der unter anderem die vielen Gelegenheiten zum Austausch mit der Sangha sehr genossen hat.
Um Buddhas Geburtstag herum erhielten wir Besuch von Doko Waskönig Roshi, die, ausgehend von Dogens berühmter Passage im Genjokoan „Das Selbst studieren ist das Selbst vergessen“ einen sehr schönen Vortrag hielt.
Wir hatten eine denkwürdige Gartenaktion im Johanniskloster und alle haben tatkräftig den Umzug in unsere neuen Räume beschleunigt. Viele haben uns bei der Bewirtung unserer Gäste unterstützt. Wir haben unsere Rezitation erweitert, das Heft weiter verbessert und Oryoki im Zendo geübt.
Als Sangha haben wir uns vergrößert!
Wir haben uns um Freundlichkeit einander gegenüber bemüht und voneinander gelernt. Wir sind wieder ein wenig mehr zusammengewachsen. Das ist nur möglich, weil jeder von uns seine Arbeit tut.
Auf dem Kissen, im Zendo und weit darüber hinaus. Das ist Gemeinschaft. Das ist Sangha. Das ist unser Juwel.

Gassho, Juen

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Neujahr

Wieder ist ein Jahr vergangen und abermals hat uns das gemeinsame Band des Dharmas durch schöne und traurige Augenblicke verbunden und begleitet. 
Wir danken allen, die mit uns den Raum zum Zazen geteilt haben, allen, die unsere Sangha unterstützt haben, allen, die diese Seiten besucht haben - bekannt und unbekannt, für Euer Kommen, Euren Beistand und Euer Interesse.
Hoffen wir, dass wir weiterhin zusammen üben dürfen. Hoffen wir, gesund zu bleiben -  in der Übung und zu Diensten!

Gassho,
Juen und Nanzan

WWS 2012


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