Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Jul 2013

Vom Kreis des Weges

Auf der großen Straße der Buddha-Ahnen gibt es immer unübertreffliche Praxis, fortwährend und ausdauernd. Sie bildet den Kreis des Weges und wird niemals abgeschnitten. Zwischen Streben, Praxis, Erwachen und Nirvana ist nicht die kleinste Lücke: fortwährende Übung bildet den Kreis des Weges. Deswegen ist fortwährende Übung makellos, sie kann weder durch Dich noch andere erzwungen werden. Das bedeutet: Deine Praxis beeinflusst die gesamte Erde, den ganzen Himmel in den zehn Richtungen. Obgleich von Dir selbst gar nicht bemerkt, ist dem so.
Dogen Zenji


„Nicht eins, nicht zwei“. „Verwandt und zugleich unabhängig“.
Zen ist reich bestückt mit derartigen Paradoxien, die Dogen oft meisterlich (und zu unserer bisweiligen Verzweiflung) anzuwenden versteht. Und doch dürfte selbst dem lautesten Anhänger von Logik und Geradlinigkeit aufgefallen sein, dass diese nur allzu oft versagt: Dinge, „verschieden in Wesen und Form“, haben häufig ein spontanes Eigenleben. Es wird bestimmt durch Faktoren, die wir nicht kennen. Oder: durch Zusammenhänge, die wir nicht überschauen. Oder: durch Verbindungen, die wir nicht sehen. Oder: durch Bedingungen und Reaktionsketten, die sich unserem Einfluss entziehen und die ihren Beginn oft vor langer Zeit nahmen. Thich Nhat Hanh hat hierfür das treffende Wort InterSein geprägt. Ein häufig verwendetes Bild ist eine Blume, die Ihr Entstehen zahlreichen Umstanden verdankt: zum Beispiel Wind, Regen, Sonne, Insekten, Vögel, Menschenhand. Wir sehen „eine einzelne“ Blume, aber in Wahrheit steht das ganze Universum vor uns.
Im Zen sprechen wir von „Indras Netz“, in dem die einzelnen Streben an den Knotenpunkten durch einen Juwel zusammengehalten werden. Heben wir einen Juwel, hebt sich das gesamte Netz.

Für Dogen, jenen Meister der himmelweiten Kreise, ist unser Zazen, unser Streben, unser Erwachen und unser Nirvana nicht aufgeteilt in vier voneinander getrennte Bereiche, die stufenweise erklommen werden müssen, wozu nur einige wenige glückliche berufen waren. In seiner Welt gab es weder Anfänger noch Fortgeschrittene, weder Beginn noch Ende. Nur: Bewegung, Veränderung.

All diese Geisteszustände unterscheiden sich zutiefst, sie sind in Wesen und Form vollkommen verschieden. Und doch bedingen sie einander, sie beleben und befruchten sich. Sie können sich aneinander freuen und miteinander vorangehen und sie können gemeinsam so viel mehr bewirken wie im Einzelzustand. Innen und außen.
Ganz wie wir selbst.

Alles und jedes, Subjekt und Objekt, sind verwandt und zugleich unabhängig. Verwandt, doch verschieden zu Werke, ein jedes an seinem Ort. Dinge sind verschieden in Wesen und Form. Klang unterscheidet angenehm von unangenehm. Dunkelheit macht alle Worte gleich; Licht erkennt gut oder schlecht.

Gassho, Juen

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