Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Jun 2013

Ruf mich mit meinem wahren Namen...

Wenn wir etwas beim Namen nennen, dann beginnt eine Geschichte zwischen uns und dem jeweiligen Objekt. Der Klang eines Namens, ob er häufig ist oder selten und vor allem, welche Assoziationen er in uns hervorbringt, beeinflussen uns: unseren Körper, unsere Gemütslage, unsere Gedanken und letztlich auch unser Handeln.
Durch einen Namen wird etwas aus seiner Vagheit, vielleicht auch Unpersönlichkeit oder „Neutralität“ umgewandelt in etwas Konkretes, vielleicht sogar in etwas Persönliches.
In diesem Sinne wird das Objekt unserer Namensgebung zugleich auch zum Subjekt. Hiermit beginnt ein Eigenleben der Dinge, die wir benennen. Jemand wird gerufen, jemand antwortet. So entsteht eine wechselseitige Beziehung zwischen uns, die wir ebenfalls einen (oder mehrere) Namen tragen, und unserem Gegenüber.

Daher ist es nicht nur gute Tradition, sondern auch sehr naheliegend, ebenfalls dem Ort einen individuellen Namen zu geben, der zu unserer spirituellen Heimat geworden ist: unserem Zendo.

Es war vor etwa zwei Jahren, als wir unserem Freund und Mentor Kazuaki Tanahashi Sensei erstmalig von unserer heutigen Bleibe erzählt haben. Seine spontane Antwort war: „Ihr braucht einen Namen, und zwar einen guten!“
Somit begann die Geschichte unseres Zendos, das es in dieser Form noch gar nicht gab, weit vor seinem Umbau. Der Name hatte Einfluss auf die Planung und umgekehrt.

Keiko-An steht für Meer-Licht/Leuchten-Einsiedelei.
Einsam liegt unser Zendo und einsam in vieler Hinsicht ist unsere Praxis. Hier, in unserem schönen Norden, wo das Licht so strahlend sein kann und das Wasser so viele Farben trägt, kann es gelingen, „das Licht nach innen zu wenden, um einfach umzukehren“.
Doch: „Obgleich die Hütte klein ist, enthält sie die gesamte Welt“.

Ein Ozean des Lichts soll von unserem Zazen ausgehen. Weit sollen seine Wellen reichen.
Weit hinein in das, was uns von unserem Wahren Selbst abhält, so dass wir lernen, diese Blockierungen umspülen und zunehmend verwässern zu lassen.
Weit hinaus soll unser Zazen reichen, denn - ob bewusst oder unbewusst - wir sitzen niemals „alleine“. Unser Zazen hat die unbedingte Fähigkeit, auf andere zu wirken - wenn wir es lebendig halten, wenn wir üben wie „mit den Haarspitzen in Feuer“, wenn sich unsere Übung in unserem Handeln immer deutlicher, immer feiner widerspiegelt.
Das gelingt zunächst leichter ohne Ablenkungen, denn hier, in diesem geschützten Raum, müssen wir uns „nicht bemühen, frei zu werden“ und brauchen nicht länger „stolz die Sitze herrichten, um Gäste zu unterhalten“.

Keiko-An kann uns helfen, kann uns unterstützen in der Vision, die sich durch seinen Namen manifestiert. Dieser Raum soll für uns eine stille Zuflucht bergen und allen, die ihn besuchen möchten, ein weites, ein strahlendes Feld, bieten, in das wir immer eintauchen können. Auf dass wir irgendwann unser Zendo immer bei uns tragen und jeden Raum, jede Gelegenheit, jede Begegnung umwandeln können in ein einziges, leuchtendes Zazen.
Am vergangenen Donnerstag hat unser neues, altes Zendo für diese große Angelegenheit einen guten Namen erhalten.

Gassho, Juen


„Call me by my true name“ lautet der Titel eines Buches von Thich Nhat Hanh, in dem er seine Jugenderinnerungen schildert.

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Immer war nie

„Erwachen kommt nicht, bevor Euer Körper und Geist in vollkommener Übereinstimmung sind. Wenn Ihr Eure Erfahrung nicht annehmen könnt, werdet Ihr nicht fühlen, dass Ihr bereits erwacht seid. ...
Wenn Euer Körper und Euer Geist vollkommen eins sind, dann ist Erwachen da. Was immer Ihr hört, was immer Ihr denkt, das ist Erwachen. Es ist nicht das Geräusch eines gegen einen Bambusstamm prallenden Kiesels oder die Farbe der Pflaumenblüten, die die Menschen erwachen ließen. Es ist Ihre, es ist Eure Übung....
Tut daher einfach, was immer Ihr tut, ohne Hilfe zu erwarten. Schützt Euch selbst und wachst aufrecht in den Himmel. Das ist alles.“
Shunryu Suzuki


Wir treffen uns seit Kurzem in unserem neuen Zendo. Die andere Raumaufteilung bringt kleine Veränderungen mit sich:
wie gehe ich durch diesen Raum, wo setze ich mich hin, wo stehe ich zum Beginn des Tee-Ausschanks, wie kommunizieren Ino und Doan miteinander und so weiter. Jeder hatte am Donnerstag einen neuen Sitzplatz und somit eine andere Perspektive.
Das ist ein bisschen verwirrend.
Und eine schöne Gelegenheit, unsere Gewohnheitsenergien herauszufordern, denn manche bekannten „Wege“ passen nun nicht mehr in die geänderte Architektur.

Wie so vieles - wenn nicht alles - im Zen, kann dies auch als ein Symbol betrachtet werden: wir betreten andauernd neue Räume.
Meistens bemerken wir es nicht und sehr häufig belegen wir alsgleich die Plätze - so, wie wir es im vorhergehenden Raum bereits getan haben. So wie es immer war. So wie es „uns“ am besten gefällt.
Das ist an sich nicht verwerflich, denn in unserer Übung geht es auch um: Wiederholungen, um Routine, um Praxis.

Und doch, und doch - die obige Harmonie zwischen Körper und Geist kann sich nur einstellen, wenn wir so flexibel wie irgend möglich auf den jeweiligen Augenblick reagieren. Wenn wir kleinste Veränderungen wahrnehmen und sogleich beantworten. Wenn wir wach bleiben und nicht erinnern, niemals zurückblicken.
Nur so können wir geschmeidig werden. Geschmeidig und sorglos, denn nach einer Weile der Übung in dieser Anpassungspraxis werden wir zuversichtlich, dass es uns gelingen wird, auf jeden Raum, auf jeden Augenblick angemessen zu reagieren.
Angemessen, das heißt: in Übereinstimmung mit Körper und Geist.
Ganz natürlich wird dies geschehen. Wir brauchen hierfür nichts zu tun. Nur zulassen. Zu lassen und zu lauschen.
Das ist alles.

Der Mann aus Holz fängt an, zu singen, die Steinfrau erhebt sich und beginnt, zu tanzen. Es liegt nicht im Bereich von Gedanke oder Gefühl, noch hat es mit Grübeln zu tun.
Lied des Juwelenspiegel Samadhi






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