Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Mar 2013

Frühlingsanfang - Baika

Rujing sprach:
Das ursprüngliche Gesicht hat weder Geboren werden noch Sterben.
Frühling ist in den Frühlingsblüten und betritt ein Gemälde.


Wenn Du Frühling malst, so male nicht Weiden, Pflaumen, Pfirsiche oder Aprikosen - male einfach Frühling.
Weiden, Pflaumen, Pfirsiche oder Aprikosen zu malen, bedeutet, Weiden, Pflaumen, Pfirsiche oder Aprikosen zu malen. Es ist noch nicht Frühling malen.


Was macht den Frühling aus? Sind es Weiden, Pflaumen, Pfirsiche oder Aprikosen? Sind sie es allesamt oder ist es keine von ihnen? Oder sind es nur Weiden und keinesfalls Aprikosen?

Was macht mich aus? Sind es „Weiden, Pflaumen, Pfirsiche oder Aprikosen“? Allesamt oder ist es keine von ihnen?
Was macht mein Zazen aus? Gemalte Weiden? Aprikosen?

Gibt es etwas, das nicht „Frühling“ ist? Gibt es etwas, dass nicht „ich“ ist? Wie weit reicht mein Zazen? Bis Frühlingsanfang oder noch ein wenig weiter?

Frühlingsblüten tragen den Frühling in sich: Jahr um Jahr, unbeirrbar, vollkommen unabhängig von uns, unseren Vorlieben oder Abneigungen. Unsere wahre Natur ist genauso.
Zwar verpassen wir das „Zwinkern“ Mahakashyapas und noch viel seltener lächeln wir. Und nur manchmal erkennen wir und dann, gelegentlich, halten wir ihn hoch, mit beiden Händen in Verbeugung - am Scheitel unseres Kopfes: den Juwel, Buddha, unsere BuddhaNatur.

Pflaumenblüten im Schnee sind das Erscheinen einer Udumbara-Blume.

Pflaumenblüten sind weiß - mit bloßem Auge können wir Buddha im Schnee nicht sehen. Wir müssen ihn „malen“. Wie Reiskuchen. Und dann essen. Und dann wieder malen.

Ein Reiskuchen ist blau, gelb, rot, weiß. Er ist lang, kurz, eckig und rund. Wenn Du jetzt Berge und Flüsse malst, so benutzt Du blaue, grüne und rote Farben, ungewöhnliche Felsformen und wundersame Steine. Du benutzt die Sieben Schätze und die Vier Juwelen.
Reiskuchen werden auf dieselbe Art und Weise gemalt.


Der Frühling kann das Gemälde unseres Lebens nur betreten, wenn unsere Leinwand gut vorbereitet ist. Möglichst leer sollte sie sein, „verheißungsvoll“.
Jedes Bild ist ein neuer Anfang.
Jeder Augenblick ist un-wiederholbar. Da alles immer neu beginnt und kein Moment dem anderen ähnelt, gibt es weder „neu“ noch „alt“. Nur eine schöne weiße Leinwand, die gespannt ist auf unser Bild.
Grund genug für eine Verbeugung - und den ersten Pinselstrich.

Der erste Tag des Jahres ist voller Verheißungen
Die zahllosen Dinge sind alle neu
In Verbeugung sinnt die große Versammlung:
Pflaumenblüten eröffnen den ersten Frühling.


Gassho,
Juen

Alle Zitate (kursiv): Dogen Zenjii „Baika“ und „Gabyo“.


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