Wind & Wolken Sangha
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Mar 2014

Nicht immer so

Es gibt so viele verschiedene Pfade und Gründe, die uns zum Meditationskissen bringen, wie es Formen der Meditation und Wege im Buddhismus gibt. Was führt Menschen heute dazu, den Weg der Stille zu gehen? Bei aller Verschiedenheit im Ausdruck - die letztendlichen Beweggründe, die uns in der Übung halten, haben sicherlich vieles gemeinsam.

S.H. der Dalai Lama spricht in seinen Reden immer wieder von einer gewissen Skepsis, die wir zu Beginn unseres Weges an den Tag legen sollten. Er spricht sich für das Stellen vieler und häufiger Fragen aus und empfiehlt die stete Überprüfung der gehörten oder gelesenen Sätze durch das eigene Verstehen.

Der Buddha riet seinen Schülern, seine Worte genau zu prüfen und ihm nicht aus Respekt oder in blindem Glauben zu vertrauen. Nur wenn dieser Glaube auf einem begründeten Wissen beruht, wird er Bestand haben. Die Überzeugung, die hieraus resultiert, hilft wiederum, bestimmte Erfahrungen zu machen, die diesem Glauben nach und nach mehr Festigkeit und Nachhaltigkeit verleihen werden.
Vielleicht ist es so, dass anfänglich ein genau definierbarer Grund besteht, mit der Meditation zu beginnen. Wunsch nach Entspannung, ein einschneidendes persönliches Ereignis, Neugierde. Für manche wird das Interesse an Meditation versiegen, wenn ihre Beschäftigung mit dem jeweiligen Thema sich dem Ende zuneigt.

Bei jenen, die bleiben, entstehen neue Gründe. Bei allen, die schon sehr lange dabei sind, werden diese eventuell in den Hintergrund treten, weil unser Meditationsplatz ein nicht mehr wegzudenkender Ort in unserem Haus darstellt. Um nicht der Gefahr zu unterliegen, in der jeweiligen Phase stecken zu bleiben, kann es von Zeit zu Zeit für alle Übende des Weges sinnvoll sein, zu fragen: warum praktiziere ich? Stimmen die Gründe, die mich zum Kissen brachten, noch mit meiner jetzigen Praxis überein und inwiefern?
Fragen zu stellen, ist gesund.

Vielleicht ist in unserer Übung das Stellen von Fragen wichtiger, als sie schlüssig zu beantworten.
Einer der Pfeiler unserer Praxis besteht in unserer Akzeptanz des Vergänglichen - die richtige Antwort zu finden, kann leicht dazu führen, dass wir unser Leben unseren meist wenig flexiblen Vorstellungen zu beugen versuchen. Aber unser Leben passt in keine von unseren Kopfgeschichten, die es „ein für alle Male“ zu erklären versuchen.

Zudem ist es in einer Praxis, in der es vor Paradoxen nur so wimmelt, nahezu unmöglich, das „richtige“ Kreuzchen zu setzen, die richtige Antwort zu finden. Und das ist gut so. Denn hierdurch können wir, in all unserer Verwirrtheit, lernen, dass es nicht nur die altchinesischen Meister sind, die uns zum Kopfzerbrechen bringen, sondern dass unser kleines, „normales“ Leben in wesentlichen Zügen ähnlich asymmetrisch, un-stringent und paradox verläuft und auch dementsprechend immer wieder frisch und „unwissend“ beantwortet werden möchte: so.
Oder: nicht immer so.

Eines Tages fragte ein Mönch Zhaozhou: „Hat ein Mönch Buddha-Natur oder nicht?“
Zhaozhou antwortete: „Nein“.
Zu einem anderen Zeitpunkt fragte ein Mönch Zhaozhou: „Hat ein Mönch Buddha-Natur oder nicht?“
Zhaozhou antwortete: „Ja“.


Gassho,
Juen

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