Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Nov 2015

Dukkha

Oft schon haben wir über Dukkha gesprochen, die erste der Vier Edlen Wahrheiten. Das Wort Dukkha ist nicht einfach zu übersetzen. Meistens wird es auf Deutsch mit „Leiden“ benannt, was in unserem Sprachgebrauch mit etwas Traurigem, Schmerzhaftem verbunden wird. Auch erinnert das Wort ikonografisch an das Leiden Christi.
Wenn wir denn hören „Das Leben ist Leiden“ – mögen wir vielleicht zunächst betrübt werden oder uns von der buddhistischen Lehre insgesamt als „zu pessimistisch“ abwenden.

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Das Bild eines unrund laufenden Rades trifft etwas besser, was mit „Dukkha“ gemeint ist.
Die tibetische Lehrerin Thubten Chodrön beschreibt „Dukkha“ unter anderem als eine unbefriedigende Erfahrung. Damit können die meisten von uns schon mehr anfangen, denn natürlich gibt es in jedem unserer Leben täglich eine Reihe von „unbefriedigenden Erfahrungen“. Auf psychologischer Ebene ist jenes „nicht bekommen, was ich möchte“, „verlieren, oder getrennt werden von jenem, was ich mag“, gemeint.
Wir alle haben bestimmte Zu- und Abneigungen, aber wie es im Genjokoan heißt: „Blumen werden welken, ob wir es mögen oder nicht“.

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Mit anderen Worten: es wird passieren, was wir nicht mögen, was uns schmerzt, wir werden bekommen, was wir nicht haben wollen.

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Die Grundlage all dessen heißt Vergänglichkeit. Nichts bleibt, unsere Zeit hier ist kurz und weit über die Hälfte bereits verstrichen. Noch mehr Grund zur Depression!

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Im Zazen erfahren wir, dass Vergänglichkeit auch bedeutet: Veränderung, Wechsel, Bewegung.

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Keine Meditationseinheit gleicht der anderen. Eben noch hatten wir Schmerzen, jetzt sind wir plötzlich ganz still.
Wir erfahren auch, dass dieser Augenblick endlos sein kann oder sekundenschnell.
Wir merken, je mehr wir gegenwärtig sind, umso langsamer fließt die Zeit, oder, um es mit den Worten von Kazuaki Tanahashi auszudrücken: desto höher wird unsere Lebensdichte.

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Wir merken mit zunehmenden Jahren auf dem Kissen, dass wir, obschon noch lebendig, einen Moment lang bereits ziemlich tot sein können oder obschon zum Beispiel in tiefer Trauer oder großem Schmerz - doch hellwach und quicklebendig sein können.
Wir nähern uns immer mehr: unserem Leben, unserem Sterben, der Veränderung als einziger Konstante.

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Wir merken: der Unterschied zwischen Verweilen und Vergehen wird schmaler. Wenn wir diese Reise oft genug angetreten sind, rückwärts, vorwärts, wissen wir irgendwann, worin unser Leben liegt und worin unser Sterben.

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Wir wissen, was noch zu tun ist und was unser Dasein vertiefen kann, auch wenn sich unsere Zeit einmal dem Ende zuneigt.
 
Gassho,
Juen


Buddhatree1
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