Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
Navigation
Oct 2015

Yunyan fegt den Tempel

Yunyan fegt den Tempelplatz.
Sein Bruder Daowu kommt vorbei und sagt: „Zu geschäftig“.
Yunyan: „Du solltest wissen, dass es jemanden gibt, der nicht geschäftig ist“.
Daowu: „Wenn dem so ist, dann gibt es einen zweiten Mond“.
Yunyan hält seinen Besen hoch und fragt: „Welcher Mond ist dies?“

Fegen ist, wie Putzen insgesamt, eine wichtige Aufgabe im Zen. Das Fegen im Speziellen ist eine oft auch beschriebene klassische Aufgabe der Zen-Mönche. Es ist einfach, rhythmisch und - hat kein Ende. Hinterher ist es kurz sauber, doch bald fallen bereits wieder Blätter und man muss von vorne beginnen.

Gary Snyder, Buddhist, Dichter und Schriftsteller, fasste es einmal so zusammen:
„Im Zen geht es vor allem ums Tempel-Putzen. Putzen und Fegen, Fegen und Putzen. Und darum, dass nur Du allein entscheidest, wo die Grenzen dieses Tempels liegen“.

Ähnlich ist es mit unserem Zazen, mit unserer Praxis. Vielleicht stellt das Putzen den Aspekt des Klosterlebens dar, der das Ideal des täglichen Lernens am besten verkörpert.

Nun kommt der (vermeintlich spirituell begabtere) Bruder daher und kritisiert das Fegen, kritisiert den Geist, mit dem gefegt wird.
Geschäftigkeit stellt eine der Aktivitäten unseres Kopfes dar, er ist sozusagen dauer-beschäftigt, wenn wir ihn nicht zähmen. Wir beginnen damit durch unser Zazen. Wenn wir dabei bleiben, wird sich später jener Atem, jene Haltung, die wir im Zazen üben, auch außerhalb des Zendos ausdehnen. Immer gibt es in unserem eiligen Alltag auch jemanden, der nicht geschäftig ist. Wir tun gut daran, ihn zu beachten, denn er stellt unsere Mitte, unsere Zuflucht dar, so sehr wir auch oft genug in der Peripherie verloren gehen mögen.

Dieses Koan ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass das Dharma nicht nur aus Worten besteht. Tatsächlich sind Worte ohnehin wenig hilfreich. Sie dienen dazu, dass wir in diesem brennenden Haus etwas finden, das wir „kennen“ und an dem wir uns weiter hangeln können. Selbst als Feuerleiter sind sie denkbar ungeeignet.

Wir hören das Dharma, wir sehen und schmecken es. Die wenigsten Zen-Geschichten oder Koans handeln von Erwachensberichten während des Zazen. Unsere Praxis wurde über die Jahrtausende weitergereicht durch Treffen wie das obige, durch wechselseitigen Austausch.
Der 20.000-te Mond, der eine Mond, der Mond des Fegens - sie möchten betrachtet und sie müssen beleuchtet werden.
In der Begegnung innerhalb der Sangha, mit uns selbst, jenseits des Tores, gelingt das eine wie das andere:
die „Weitergabe des Lichtes“ - gegenseitiges Berühren und Berührtsein.

Gassho,
Juen


clouds2


Comments