Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Ryokan

It‘s all in the mind...

Im Anschluss an unseren Sanghatag sitzen wir einander gegenüber und signieren ein Buch, das irgendwie auch meinen Namen auf dem Buchdeckel trägt. „Ein Versehen“, denke ich, beinahe erschrocken und betrachte den Stift wie einen völligen Neuling. Ein Versehen, fast so wie die sinkende Sonne, welche durch ihr Schattenspiel die Anzahl der Wartenden zu einer großen Versammlung erhebt.
Für einen kurzen Moment erinnere ich meine ersten Fragen, damals vor etwa fünf Jahren, über einen Mönch namens Ryokan. In einer kleinen Küche an einem wackeligen Tisch saßen wir einander gegenüber und während ich wirklich nur die Übersetzung von ein paar Gedichten im Kopf hatte, schauten mich jene unergründlichen Augen kurz an und verkündeten beim Abräumen der Kaffeetassen scheinbar beiläufig: „Let‘s make a book out of this“.
Immerhin ahnte ich damals schon, dass ein Ablehnen genauso wenig hilfreich wäre wie ein Ausmalen der damit verbundenen Arbeit.
Ungläubig verfolgte ich in den kommenden Monaten die ankommende Ryokan-Literatur, nur ihre schönen Stempel deuteten auf den jeweiligen Aufenthaltsort des vielreisenden Absenders. Fortan, in jeder freien Minute, gab es Gedichte, gab es Fragestunden, oft mit erheblicher Zeitverschiebung, die ihn ohnehin nie zu stören scheint.
Und doch ist diese kleine Episode kennzeichnend für vieles, was Kazuaki Tanahashi ausmacht: Grenzenlosigkeit, Unerschrockenheit und eine schier umwerfende, eigentlich eher langsame, aber unerschütterlich konstante Geschwindigkeit, die keinerlei Schranken zu kennen scheint: „It‘s all in the mind...“.
Juen

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