Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Häufig gestellte Fragen



Was ist Zen?
Zen hat sich aus dem Mahayana-Buddhismus entwickelt und ist eine Schulungsform, um die Natur der Wirklichkeit zu schauen. Zen deutet auf universelle Wahrheiten hin. Somit geht es auf der einen Seite im Zen um die wichtigsten, absoluten Dinge in unserem Leben. Auf der anderen Seite geht es im Zen darum, ganz "gewöhnlich" zu werden - wie wir mit unseren Kindern umgehen, wie wir uns umeinander kümmern, wie wir unsere Zähne putzen. Zen ist sowohl die Erfahrung jener universellen Wirklichkeit als auch der Weg dahin. Als solches geht es im Zen um Verwandlung. Es geht darum, dass ich erkenne "wer ich bin" und nicht "wer ich sein sollte oder denke, zu sein". Zen übt uns darin, uns im gegenwärtigen Moment aufzuhalten, die Gegenwart so zu akzeptieren, wie sie wirklich ist und uns somit die Gelegenheit zu geben, durch die diversen Täuschungen hindurch zu blicken und zu erkennen, was ist. 

Was ist Zazen?

Wir nennen unsere Sitzmeditation Zazen. Zazen bedeutet wörtlich: sitzende Absorption. Zazen basiert auf einer Grundlage aus Disziplin, Aufmerksamkeit und Mitgefühl. Es ist die Übung, in einer korrekten Haltung still zu sitzen und ruhig zu werden und wird entweder alleine oder in Gemeinschaft praktiziert. Die Meditationshalle wird als Zendo bezeichnet. Wir beginnen unsere Übung damit, Körper und Geist in Einklang zu bringen. Dies kann auf verschiedene Arten geschehen. So kann es gerade am Anfang hilfreich sein, sich auf den Atem zu konzentrieren: wir lassen eintretende Gedanken und Gefühle los und kehren, wann immer wir abschweifen und unseren Gedanken nachhängen, mit unserer gesamten Entschlossenheit  zum Atemrhythmus zurück. Im Grunde aber haben wir in unserer Tradition gar kein „Objekt“: Gedanken kommen - wir lassen sie vorübergehen, ohne uns in sie verwickeln zu lassen. Gedanken gehen...
Jenseits der Gedanken befindet sich die Klarheit des grenzenlosen Raumes, der unsere Wesensnatur offenbart, welche immer vorhanden und stets verfügbar ist. Zen-Übung besteht darin, dies zu entdecken und in unserem alltäglichen Leben auf jede nur erdenkliche Weise auszudrücken.


Wieso ist die Haltung so wichtig?
Eine gute Sitzhaltung ist unabdingbare Voraussetzung für Meditation. Wir müssen uns gut verankert fühlen auf unserer Sitzunterlage. Zazen ist eine Haltung, die zu unserer Natur gehört. Wenn wir an Zazen denken, dann stellen wir uns meist eine schwierige Position im Lotussitz vor. Das ist sicherlich eine sehr stabile, vielleicht sogar die stabilste Sitzhaltung - aber die meisten von uns sind nicht in Asien groß geworden und tun sich mit dem vollen Lotussitz verständlicherweise sehr schwer. Das ist auch nicht nötig. Manche von uns sitzen auf einem Bänkchen oder auf dem Kissen in einer eher knienden Körperhaltung. Auch ein Stuhl ist möglich. Wichtig ist, sich eine Körperhaltung anzugewöhnen, in der wir uns gut und fest verankert fühlen, um still werden zu können. Still - nicht steif oder starr.

Warum sitzen wir zur Wand gerichtet?
Im Soto-Zen sitzen wir mit dem Gesicht zur Wand. Die weiße Wand in ihrer leuchtenden Unauffälligkeit wird somit zur Reflexion unserer Gedanken. Sie verdeutlicht uns: alles, was mit uns geschieht, ist ein Spiegelbild des Inneren, denn da draußen, da ist nur sie: weiß, stumm und grenzenlos...

Was ist Kinhin?
Gehmeditation. Meditation in Bewegung. Kinhin ist keine Pause von der Übung. Kinhin dient auch dazu, unseren Körper nach einer langen Phase des Stillsitzens zu regenerieren und dauerhaften Schmerzen beim Sitzen entgegenzuwirken. Nachdem wir uns vom Zazen erhoben haben, ertönen die Hölzchen und wir verneigen uns zueinander in Gassho. Dann drehen wir uns nach links und beim zweiten Schlag der Hölzchen gehen wir langsam los. Die Hände sind in Shashu-Position. Der Atem und das Abrollen der Füße werden aufeinander abgestimmt. Wir beginnen stets mit dem rechten Fuß, Schrittlänge ist eine halbe Fußbreite. Der Kopf wird gerade gehalten, der Blick ruht auf dem Rücken unseres Vorgängers. Wir kombinieren fast immer das langsame mit dem schnellen Kinhin. Um ein möglichst gleichmäßiges Raumempfinden zu erzielen, sollte auf gleichbleibende Abstände zueinander geachtet werden.

Wie betrete ich ein Zendo?
Der Meditationsraum wird mit der Seite des Körpers betreten, die dem Altar das eigene Herz ungehindert zeigen kann. Das heißt, wenn sich der Altar zur linken Seite des Eingangs befindet, betreten wir das Zendo mit dem rechten Fuß. Nach zwei, drei Schritten erfolgt eine stehende Verbeugung (Gassho) in Richtung Altar. Dann gehen wir zu unserem Kissen, wobei wir nie diagonal durch den Raum gehen. Sollte dies erforderlich sein, wird in Höhe des Altars Gassho gehalten. Wir verlassen das Zendo mit dem linken Fuß zuerst.

Warum verneigen wir uns?
Unsere Verneigung besteht aus dem "Gassho". Hierbei bringen wir unsere Handinnenflächen zusammen, so dass sich die Innenseiten der Fingerspitzen miteinander berühren. Wir heben die Fingerspitzen auf Nasenhöhe, ca.  7-10 cm davon entfernt und verneigen uns um ca. 60°. Wir verneigen uns vor unserem Kissen als Ausdruck der Anerkennung für unsere Übung und als Referenz an all jene, die vor uns diesen Weg gegangen sind. Wir verneigen uns zum Raum hin als Ausdruck der Wertschätzung gegenüber der Gemeinschaft der Mitübenden. Wir verneigen uns vor unserer eigenen Wesensnatur. Wir verneigen uns vor allen fühlenden Wesen.

Weshalb wirkt vieles so japanisch?
Der historische Buddha lebte in Indien. Über die Jahrhunderte hinweg erreichte seine Lehre China und später Japan. Buddhismus gibt es in Deutschland seit über 100 Jahren. Wir danken und ehren diese alte Tradition in ihrer japanischen Überlieferung, indem wir einige ihrer Formen und etwas von ihrem Wortschatz übernehmen.

Warum rezitieren wir?
Rezitieren ist eine andere Form der Meditation. Es ist Klang-Meditation. Wenn wir singen, so werden wir eins mit dem Ton und hängen nicht dem Gesangsinhalt nach. Dafür ist japanisch besonders gut geeignet, vor allem alt-japanisch! Wir singen eine Auswahl traditioneller buddhistischer Sutren und Verse, wie sie auf der ganzen Welt im Soto-Zen gebräuchlich sind.

Welche Funktionen gibt es bei der Zeremonie und der gemeinsamen Rezitation?
Bei uns gibt es: Doan, das ist diejenige/derjenige, der hinter dem großen Gong sitzt, und Kokyo, die oder den Vorsänger/in. Beide müssen sich genau aufeinander abstimmen. Der Doan sollte den großen Gong zu Beginn der jeweiligen Sutren laut genug schlagen, um die jeweilige Energie des Liedes zu würdigen. Andererseits sollte der Gong nicht viel lauter sein als der Kokyo. Wenn das Zendo sehr still ist, wie zum Beispiel nach dem Zazen, sollte der Gong ein bisschen leiser geschlagen werden. Die Zeremonie wird geleitet durch einen unserer Priester, der/die dann die Funktion des Doshi übernimmt.
Neben dem Zeitgeber, der die Meditationseinheiten beginnt und endet und das Kinhin leitet, gibt es noch jemanden weiteren, der/die für Han und die Rezitationsglocke zuständig ist. Zudem trinken wir an den Sanghatagen formalen Tee, auch hierfür benötigen wir zwei Freiwillige.
Wir sollten uns keine Sorgen um Perfektion machen, aber wir sollten auch alle wissen, worauf es bei der Ausführung dieser Ämter ankommt.


Was bedeutet „Dharma“?
Der Begriff "Dharma" wird häufig benutzt, um die Lehre Buddhas zu beschreiben. Der Buddha hat ihn nicht erschaffen, er war immer schon da. Der Dharma ist der fundamentale Geist, der dem Zen und dem Buddhismus insgesamt zugrunde liegt. Es wird auch als Beschreibung für den WEG, das kosmische Gesetz, und die universelle Wahrheit gebraucht. (Das Wort "Dharma" besitzt in der Ursprungssprache Sanskrit ein männl. Geschlecht; im Deutschen findet man auch die Bezeichnung "das Dharma".)

Was ist ein Bodhisattva?
Sanskrit, von bodhi (tiefes Erwachen, Erleuchtung) und sattva (Wesen). Der Kern der Bodhisattva-Vorstellung besteht darin, nicht nur um seiner selbst willen zu erwachen, sondern auch alle anderen fühlenden Wesen hierbei zu unterstützen. Ein Bodhisattva ist jemand, der die Richtung seines Lebens in Zazen sieht, der gleichzeitig in Gelöbnis (Shigusei Ganmon) wie auch in Reue durch sein Zazen lebt.
Er/Sie unterscheidet sich von jemandem, der nach der Fortsetzung seines Karmas lebt, was einem Leben nach dem Diktat von meist unbedachten Reaktionen und reflexartiger Antworten gleichkommt.
Jemand, der nur nach seinem Karma lebt, denkt vorwiegend an den persönlichen, engen Rahmen, an die Umstände im Zusammenhang mit den eigenen Bedürfnissen. Das „Ich“ steht im Mittelpunkt. Ein Bodhisattva strebt nach höchster Erkenntnis (Bodhi), um diese für das Wohlergehen aller einzusetzen. Deswegen leben auch in einem Bodhisattva alle Aspekte des Lebens, alle Facetten der gesamten Menschheit.

 
Was bedeutet Sesshin?
Wörtlich: "Herz-Geist sammeln". Sesshin bezeichnet eine Zeit intensiven Sitzens, meist 3, 5 oder 7 Tage. Ein Sesshin beinhaltet viele Perioden von Zazen, oft ein Gespräch unter vier Augen mit der Lehrerin oder dem Lehrer, manchmal stattdessen auch ein Gruppengespräch.
Weitere wichtige Bestandteile stellen körperliche Arbeit sowie Zeiten der Ruhe und des gemeinsamen Essens dar. Dies wird meistens in Form des Oryoki, des traditionellen klösterlichen Essens mit Schalen, zu sich genommen. Manchmal besteht die Gelegenheit zu Yoga oder andere Körperübungen. Für die Dauer des Sesshins wird geschwiegen, Blickkontakt ist nicht erwünscht. Die gesamte Aufmerksamkeit ist unserer inneren Arbeit gewidmet. Sesshins sind unverzichtbarer Bestandteil der Übung. "Einen einzigen Sesshin zu besuchen ist wie ein Jahr lang zu üben" (Kosho Uchiyama Roshi).

Was ist unser Selbstverständnis?
Wir sind nicht an der Mischung unserer Übung mit anderen Techniken, zum Beispiel der Entspannung interessiert, auch betrachten wir Zen nicht als einen Weg der Selbstverbesserung. Wir möchten Zazen üben, in seiner reinst möglichen Form, mit einer eher klein bleibenden Gemeinschaft an Weggefährten und Freunden. Dabei sind uns auch die Zenformen wichtig, die wir in der Tradition des Soto-Zen üben. Diese Formen behutsam an unsere westliche Kultur anzupassen, sie als Hilfe und Unterstützung und nicht als Einengung zu empfinden, ist ebenso unsere stete Aufgabe. Hierfür bemühen wir uns um eine einfache, singbare Übersetzung der wichtigsten Rezitationen ins Deutsche.
Wir erleben uns immer wieder am Anfang auf dem Zen-Weg und freuen uns über alle, die mit offenem Geist und Herz gemeinsam mit uns meditieren. In dieser Sangha sind alle aufrichtig Übenden stets willkommen.



 

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